Christian Baron spricht aus eigener Erfahrung: Als Kind der Unterschicht - der Erste in seiner Familie mit Abitur - dringt er in die akademische Welt und schließlich in linksliberale Kreise vor. In seinem Buch analysiert er anhand vieler Fallbeispiele, wie tief verwurzelt soziale Diskriminierung in unserer Gesellschaft quer durch alle politischen Lager ist und welche Folgen sie hat. Seine Hauptthese: Die neue "Arbeiterklasse" und die sich mitunter in ermüdenden Debatten verlierenden linken Kräfte täten gut daran, ihre Energien endlich zu bündeln und gegen Bildungsschranken, gesellschaftliche Benachteiligung und die beängstigenden rechten Tendenzen der Gegenwart ins Feld zu ziehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.01.2017
Cornelius Pollmer ist der Meinung, dass der Journalist Christian Baron mit seinem populistischen Buch der Linken einen Bärendienst erweist. Die Schwächen linken Denkens und linker Politik mit persönlichen Milieu-Erfahrungen kurzzuschließen, wie es der Autor in Anlehnung an den französischen Soziologen Didier Eribon versucht, geht in diesem Fall schief, findet Pollmer. Den entscheidenden Grund dafür erkennt der Rezensent nicht etwa im durchscheinenden Stolz des Autors auf seine Entwicklung, sondern in der fehlenden Ordnung und Kohärenz der Argumentation im Text. Simplifizierende Thesen, nur behauptete Kausalitäten und zu viel Wut im Bauch des Autors nehmen dem Ganzen die Überzeugungskraft, so Pollmer.
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