In einer Lebenskrise zieht sich der Erzähler in ein altes, halbzerfallenes Gehöft im Osterzgebirge zurück. Es wird ihm zum Ausgangspunkt für Gänge in eine Natur, die ebenso menschengemacht wie versehrt ist und ihm doch in kleinen Details wie eine Wildnis gegenübertritt. In der spirituellen Bewegung dieses Rückzugs sucht der Erzähler Orte radikaler Fremde auf. Er vermutet sie in einer religiösen Erfahrung, die alle Ordnungen und ideologische Sicherheiten durchschlägt; er fastet, er meditiert. Zur begleitenden Lektüre wird ihm die "Apokalypse des Johannes", ein Grundtext der europäischen Kultur, der alle Beheimatung in der Welt ausschließt und religiöse Endzeiterwartungen genauso prägte wie die geschichtsphilosophischen Utopien der vergangenen Jahrhunderte mit ihren gefährlichen Denkfiguren der Zerstörung des Alten zugunsten des Neuen.
Rezensentin Tanya Lieske müht sich mit Christian Lehnerts Text, wird aber belohnt. Lehnert nähert sich den Krisen der Gegenwart über die Apokalypse des Johannes, mit Exkursen in die Mystik und ins Lyrische, erklärt die Rezensentin. Dabei springen für die Leserin laut Lieske einerseits "geschliffene Prosaminiaturen" und Meditationen heraus, in denen dem Erzähler in Klausur Innen- und Außenwelt verschwimmen, andererseits tritt der Autor der Rezensentin als Theologe und Exeget entgegen, der die Ungewissheit nicht scheut. Wie Lehnert unsere "metaphysische Beschaffenheit" auf den Prüfstand stellt, ist herausfordernde, aber gewinnbringende Lektüre, findet Lieske.
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