Die folgenschwere Militärintervention im Irak vor 20 Jahren setzte eine Kette politischer Umbrüche in der arabischen Welt in Gang - und zerrüttete Europa. Seitdem suchen die EU-Staaten vergeblich nach einer Strategie, um mit dem"Ring aus Feuer" umzugehen: den Dauerkrisen in der europäischen Nachbarschaft. Der Nahost-Experte und außenpolitische Berater Christian-Peter Hanelt zieht Bilanz. Er berichtet aus den Maschinenräumen der Diplomatie über dramatische Entscheidungen und verpasste Gelegenheiten, richtet aber auch den Blick auf neue Chancen.
Schon die Veröffentlichung von Christian-Peter Hanelts Buchs über die jüngere Konfliktgeschichte im Nahen Osten erfreut den Rezensenten Thilo Kössler - ist diese Region doch seiner Wahrnehmung nach seit der russischen Invasion in der Ukraine 2022 weitgehend aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden. Von Oman bis nach Marokko reicht die über 30 Länder umfassende Region, mit der sich Hanelt beschäftigt, führt Kössler aus, und auch das zeitliche Spektrum ist kaum wenig umfangreich: vom islamischen Umsturz in Iran im Jahr 1979 bis - also doch wieder - dem fortgesetzten russischen Angriff auf die Ukraine untersucht das Buch insgesamt fünf sogenannte Zeitenwenden. Die Grundthese scheint Kösslers Ausführungen zufolge darin zu bestehen, dass die EU zu wenig und die USA zu viel Einfluss auf diverse diplomatische Bemühungen in der Region genommen habe, im Fall des israelisch-palästinensischen Konflikts ebenso wie im Fall des Arabischen Frühlings. Insgesamt liest der Rezensent das Buch gerne, bemängelt jedoch eine gewisse Unstrukturiertheit. Unter anderem merkt Kössler - leider ohne ins Detail zu gehen - an, dass Hanelt nicht immer allzu trennscharf zwischen seinen Rollen als Nahostexperte und Bertelsmann-Lobbyist unterscheidet.
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