Geprägt im Umfeld Harry Graf Keßlers und Henry van de Veldes wird der Kunsthistoriker zum jüngsten Museumsdirektor des Deutschen Reiches. Er ist u.a. befreundet mit Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff. Als erster "Reichskunstwart" entwickelt er ab 1920 an der Schnittstelle zwischen Künstlern und Intellektuellen, Staat und Volk eine republikanisch-demokratische "Corporate identity": Er ist für die Gestaltung der Briefmarken, Geldscheine, Münzen, Urkunden und Medaillen des Deutschen Reiches zuständig, zieht die bedeutendsten Künstler der Avantgarde heran, um dem Reichsadler eine neue Form zu geben und koordiniert Wettbewerbe für die Staatsbauten und das "Reichsehrenmal" für die Kriegstoten.1933 löst die NSDAP-Regierung das Amt des Reichskunstwarts auf und verleibt sich Redslobs Konzepte ein. Schon 1945 nimmt er seine kulturpolitischen Aktivitäten wieder auf und ist u.a. an der Gründung des "Tagesspiegel" und der "Freien Universität Berlin" beteiligt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.06.2009
Johannes Willms ist dankbar für diese Biografie. Zeigt sie ihm mit Edwin Redslob, dem Reichskunstwart, kulturgeschichtlichen Publizisten und späteren Mitgründer des "Tagesspiegels" und der Berliner Freien Universität doch einen exemplarischen Phänotypen des auffällig unauffälligen Mitläufers des Nazismus. Wie jemand wie Redslob (Jahrgang 1884) die Epochenbrüche des frühen 20. Jahrhunderts erlebt und durch "erstaunliche intellektuelle und moralische Anpassungsfähigkeit" für seine Karriere nutzbar gemacht hat, ist für Willms von Interesse. Wertvoll erscheint ihm die Lektüre zudem, weil Redslobs Biograf Christian Welzbacher die nötige Leidenschaft mitbringt, um diese wendige Lebensgeschichte genau und ohne zu moralisieren zu erzählen.
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