Johannes Gramlich

Begehrt, beschwiegen, belastend

Die Kunst der NS-Elite, die Alliierten und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen
Cover: Begehrt, beschwiegen, belastend
Böhlau Verlag, Wien - Köln - Weimar 2021
ISBN 9783412519711
Gebunden, 352 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

Funktionäre und Organisationen der NSDAP sammelten in der NS-Zeit massenweise Kunstgegenstände, denen als Symbol für Macht und Größe immense Bedeutung im Nationalsozialismus zukam. Die Methoden und Motive, mit denen sie ihre Sammlungen aufbauten, sind in den vergangenen Jahren vermehrt untersucht worden. Wenig ist hingegen darüber bekannt, was mit diesen Kunstwerken nach 1945 geschehen ist. Die Studie wird dieser Frage mit Blick auf den Freistaat Bayern nachgehen, wo die Alliierten den umfassenden Kunstbesitz von Adolf Hitler, Hermann Göring, Heinrich Hoffmann und anderen Parteifunktionären sicherstellten. Rund 900 Kunstgegenstände aus diesen Sammlungen sind vor allen in den 1950er- und 1960er-Jahren über staatliche Stellen in den Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen eingegangen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.04.2021

Rezensent Jörg Häntzschel ist irritiert angesichts dieser Studie über NS-Raubkunst in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen von Johannes Gramlich. Die schockierende Geschichte des NS-Kunstraubs und seines Nachlebens nach 1945 kann ihm der Autor aufgrund seiner Befangenheit als an den Staatsgemäldesammlungen angestellter Historiker nur unzureichend dokumentieren. Dass Direktoren der Staatsgemäldesammlungen nach dem Krieg Kunst an Nazi-Größen und deren Sippschaft zurückgaben, erörtert der Autor laut Häntzschel nicht mit der nötigen Schärfe, sondern als Verteidiger seines Arbeitgebers. Raubkunst bleibt so im Buch ein historisches, kein weiterhin aktuelles Problem, bedauert der Rezensent. Gramlichs offensichtliche Scheu vor eigenen Urteilen findet er vielsagend. Am unangenehmsten findet Häntzschel allerdings den Umstand, dass die Opfer des Kunstraubs und des Agierens der Museen in Gramlichs Arbeit kaum vorkommen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 10.04.2021

Eine wichtige Studie zu einem bisher kaum erforschten Thema annonciert Rezensent Stefan Koldehoff mit diesem Buch des Kunsthistorikers Johannes Gramlich. Was passierte nach Kriegsende mit der Menge an Bildern, Plastiken und Mobiliar, die die NS-Elite plünderte und die häufig in den Privatsammlungen von Göring, Schirach und Goebbels landete, fragt Gramlich. Am Beispiel von Bayern zeichnet er nach, wie jene KunsthändlerInnen, die schon mit den Nazis Geschäfte machten, auch nach 1945 weitgehend "unbehelligt" weiterarbeiteten, erklärt der Rezensent. Tausende von Kunstwerken wurden allerdings von den Amerikanern im Central Collecting Point zusammengetragen, viele Werke an die ehemaligen BesitzerInnen restituiert, wobei auch eilig entnazifizierte Familien wie die Schirachs Ansprüche geltend machen konnten, liest der Kritiker weiter. Allein 900 Werke gingen schließlich an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, nach der Provenienz wurde nicht viel gefragt, erfährt Koldehoff, der das Buch auch als Forderung zu weiterer Aufarbeitung an Museen und Bundesländer versteht.

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