Aus dem Französischen von Beate Thill. Mit Neugier und Empathie sucht der Autor die Nähe zu den Einheimischen und lässt sich von ihnen durch die Insel führen. Le Clezio ist ein erfahrener Reisender und Kosmopolit, wohl wissend, dass der Kontakt zwischen ihm als Europäer und den pazifischen Bewohnern nach jahrhundertelanger kolonialer Unterdrückung ein schwieriger ist und nur annähernd gelingen kann. Umso deutlicher nimmt er die Schönheit der Natur wahr, die sich die auf Raga lebenden Apma und Sa seit der Unabhängigkeit zurückerobert haben: die hinter Bäumen und Sträuchern verborgenen kleinen Felder und Pflanzungen, die verschlungenen, steilen Pfade quer über die bergige Insel. Er lernt über Charlotte Wei Matansue, seine Führerin, weitere Menschen kennen, die ihm trotz der brutalen Vergangenheit mit Respekt und freundlicher Distanz begegnen. So entsteht eine vorsichtige Beziehung, die ein gleichberechtigtes Miteinander verschiedener Kulturen erst möglich erscheinen lässt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.06.2009
Das Buch ist das Ergebnis eines einzigartigen Projekts. Eines von zwölf Ergebnissen, um genau zu sein. Am Anfang stand nämlich im Jahr 2004 eine mehr als tausend Tage währende Expedition zu Völkern, die man einzig per Schiff erreicht. Über jedes der Völker schreibt nun ein Autor. Und Jean-Marie Gustave Le Clezio, nachmaliger Nobelpreisträger, berichtet über die Bewohner der Pfingstinseln, die aber aus ihrer von ihm übernommenen Perspektive den Namen Raga tragen. Burkhard Müller schätzt das so entstandene Buch, wenngleich nicht unbedingt seiner literarischen Kraft wegen. Es gebe aber, meint er, Wichtigeres als Literatur. Die Fähigkeit nämlich, sich einzulassen auf die unterschiedlichsten "Facetten des Menschlichen". Und genau das gelinge Le Clezio ein ums andere Mal, so auch hier. Er verstehe sichtbar zu machen, wie die Raga die "revolutionäre Anverwandlung" der ihnen fremden Elemente von außen vollziehen. Auf den nächsten Band der Serie - "Die Osterinseln" - ist der Rezensent nach Lektüre des ersten jedenfalls schon gespannt.
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