Es ist der Sommer, den sie nie vergessen werden. In ihren Ferien arbeiten zwei 15-jährige Schülerinnen auf einer Vogelstation direkt am Meer. Bei flirrender Hitze streifen sie über die Nordsee-Insel und lauschen den Trillergesängen der Austernfischer, sie trinken eisgekühlte Limonade, zählen Silbermöwen am Himmel und führen Kurgäste durch das schillernde Watt. Doch dann holt eine Realität sie ein, mit der sie nicht gerechnet hatten. Denn was geschieht, wenn man sich mitten in der Lebenslüge eines anderen Menschen befindet?
Paul Jandl entdeckt Theodor Storm in Christiane Neudeckers Novelle. Allerdings erschöpft sich der Text nicht in so einem Vergleich. Jandl erkennt, wie geschickt die Autorin das Politische im Privaten unterbringt, das Jahr 1989 in den Erlebnissen zweier Mädchen in einer Sylter Vogelstation. Pubertät, Ozonloch, DDR, Ornithologie. Dass und wie das auf engem Raum zusammengeht, scheint Jandl famos. Dicht, elementar und sehr poetisch, meint er.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.07.2015
Meike Fessmann ordnet Christiane Neudeckers Coming-of-Age-Roman in eine Traditionslinie mit aktuellen Inselgeschichten, aber auch mit Theodor Storm und Gottfried Keller. Dass die Autorin darauf verzichtet, mit ihrer 1989 auf Sylt spielenden Novelle eine Wendegeschichte zu schreiben und sich lieber auf die Gefühls- und Erlebniswelten ihrer beiden 15-jähirgen Heldinnen konzentriert, findet Fessmann richtig und spannend. Überzeugt hat sie schließlich Neudeckers dezente wie präzise Handlungsführung, die unbestimmte und bestimmte Ängste der Mädchen mit der Insel-Idylle verbindet. Eine von leichthändiger Virtuosität getragene Sommerlektüre über Leben und Tod, Unschuld und erste Liebe, meint Fessmann.
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