Ausgewählt und mit einem Nachwort von Jenny Erpenbeck. Eine ganz persönliche Auswahl von Gedichten der österreichischen Lyrikerin und Erzählerin Christine Lavant, getroffen von Jenny Erpenbeck. Christine Lavant ist eine der bedeutendsten deutschsprachigen Dichterinnen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie schrieb Gedichte, die in ihrer sprachlichen Eigenwilligkeit und existenziellen Zerrissenheit für Thomas Bernhard zu den "Höhepunkten der deutschen Lyrik" zählen. Er beschrieb ihre Lyrik als "das elementare Zeugnis eines von allen guten Geistern missbrauchten Menschen". Lavant selbst sprach von ihrer Kunst als "verstümmeltes Leben, eine Sünde wider den Geist, unverzeihbar" und war sich dennoch ihrer poetischen Kraft gewiss. Ihre Gedichte, je zur Hälfte etwa veröffentlicht zu Lebzeiten bzw. aus dem Nachlass, erzählen von verletzten Kinder- und Frauenseelen, von Armut, Krankheit und Ausgrenzung, von der Suche nach Gott und der Auflehnung gegen ihn, aber auch von der befreienden Kraft der Liebe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.09.2023
Großartig und unergründlich sind die Gedichte Christine Lavants für Rezensent Björn Hayer. In ihrer Lyrik verarbeitet die aus ärmsten Verhältnissen kommende Dichterin laut Rezensent auch eigenes Leid und unerfüllte Liebe. Hayer rückt ihre Gedichte in die Nähe Rilkes und Hamsuns, aber auch der Dichtkunst des Barocks. Die Gedichte adressieren Gott teilweise direkt, für den Kritiker haben sie gelegentlich eine erotische Anmutung, dann wieder erscheinen sie ihm metaphysisch verdüstert. Das Schreiben hatte für Lavant eine heilende Funktion. "Meine Flügel sind älter als deine Geduld, / meine Flügel flogen dem Mut voraus, / der das Irren auf sich nahm", zitiert der Kritiker. Wenn das nicht female empowerment sei, was sonst?
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