Christoph Geiser

Über Wasser

Passagen
Cover: Über Wasser
Secession, Berlin 2024
ISBN 9783966391092
Gebunden, 320 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Der Band enthält zwölf Texte, die während einer Amerika-Reise und einem anschließenden Aufenthalt als Stadtschreiber in Dresden entstanden sind. "Passagen", das bedeutet nicht nur, auf einem Containerschiff von Europa nach Amerika zu fahren und wieder zurück, das bedeutet zugleich auch, dass die Wörter, die Motive und Themen von einem Kontinent zum andern wandern und auf witzige Weise in der alten Welt wiederkehren, nämlich hauptsächlich auf Bildern, so wie das Schiff und das Wasser auf Ludwig Richters Überfahrt am Schreckenstein. Amerika, "Gottes eigenes Land", erweist sich zunehmend als Hölle in allen Varianten: das Kellerloch, in dem der Reisende wohnt, die Tatsache, dass man nicht rauchen darf, die Untergrundbahn. Christoph Geiser entwickelt indiesen Texten nicht nur seine Kunst der Bildbeschreibung weiter, sondern auch sein Sprechen über die Welt, indem er das bestehende Gerede entlarvt. Als einer der Subtexte neben der Bibel wird Kafkas Amerika-Roman (Der Verschollene) schon gleich zu Beginn negiert. Auch andere Texte von Kafka geistern durch die "Passagen", werden verballhornt, Zitate werden abgewandelt, Redewendungen destruiert, Wörter auseinandergenommen und neu zusammengesetzt, Dialektwörter eingefügt, Sprechweisen nachgeahmt. Die Sprache schafft eine Welt, in der die Beschreibung der Suche nach einer Toilette genau so Kunst ist wie die Beschreibung von Bildern der Romantik.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 14.02.2025

Rezensent Christoph Schröder feiert Christopher Geisers Lust am Ästhetischen, aber auch die am Kalauer. Neben wortwitziger Blödelei bieten ihm die versammelten Prosatexte Reisebeschreibungen, die alles andere als realistisch sind, launige Berichte von Stipendiatenaufenthalten und sprunghafte Assoziationen über das Rauchen, Transsubstantiation und DDR-Vergangenheit. Sehr postmodern und ein bisschen anachronistisch wirken die 20 Jahre alten Texte auf Schröder schon, doch auf anregende Weise. Der literarische Spieltrieb des Autors scheint ansteckend. Dahinter erkennt Schröder einen Autor, der Literatur "existentiell ernst" nimmt.

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