In seinen letzten Lebensjahren leidet der große Komponist und Kantor der Thomasschule zunehmend an schwindendem Sehvermögen. Seine Partituren kann er kaum noch entziffern geschweige denn niederschreiben, was Bach in tiefe Verzweiflung stürzt. Als der bekannte Augenarzt und "Occultist" John Taylor aus England nach Leipzig kommt, hofft Bach, dass dieser berühmte "Starstecher" ihm durch eine Operation sein Augenlicht zurückgeben kann ...
Fünf Bach-Novellen versammelt dieser schöne Band Christoph Heins, so Rezensent Jan Drees. Gemeint sind fünf außergewöhnliche Begebenheiten aus dem Leben des berühmten Komponisten, die uns die menschliche Seite Johann Sebastian Bachs näherbringen. So gerät Bach immer wieder in Geldsorgen und legt sich mit seinen Studenten an, einmal übergibt sich einer von ihnen im Auditorium, an anderer Stelle kommt es um ein Haar zu einem Duell. Vieles, berichtet Drees, basiert auf historischen Vorfällen, anderes hat Hein klug erfunden. Der Rezensent fühlt sich an Heins eigene, ähnlich gestrickte Veröffentlichung zu Lessing erinnert, aber auch an Bücher von E.T.A. Hoffmann, Gogol und Kafka, sowie an die literarische Traditionspflege der DDR-Kultur. Keineswegs jedenfalls, schließt die ziemlich euphorische Besprechung, sollte man diesen Band ob seines geringen Umfangs als ein belangloses Nebenwerk abtun - Hein beherrscht eben auch die kleine Form brillant.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.12.2025
Rezensent Wilhelm von Sternburg scheint gerührt Christoph Heins Bach-Novellen zu lesen, in denen der Autor in "Bachscher Klarheit" von Freud und Leid des Komponistendaseins berichtet. Wie Bach unter knausernden Honoratioren und Herzögen zu leiden hatte und zugleich zeitlose Musik für die Ewigkeit schuf als Ausdruck seiner Hoffnung auf innere Freiheit, das erfasst der Autor episodisch gekonnt, findet der Rezensent.
Eberhard Spree, Anna-Magdalena-Bach-Experte mit entsprechender Webpräsenz, listet in der FAZ penibel auf, an welchen Stellen Christoph Hein in seinem aktuellen Buch mit Bach-Novellen über die Grenzen des faktisch Belegbaren hinaus fabuliert. Dass Johann Sebastian Bach - nur exemplarisch herausgegriffen - in Arnstadt "lebensgefährlich" angegangen worden sei und "in wilder Ehe" gelebt haben soll, sei "mal etwas ganz Neues". Sicher, "Novellen sind keine Berichte, die sich streng an Fakten halten. Sie leben von der künstlerischen Freiheit. Die Nutzung der Namen von Anna Magdalena und Johann Sebastian Bach sowie anderer historischer Persönlichkeiten suggeriert aber, das Büchlein würde unsere Kenntnisse über sie erweitern. Das ist nicht der Fall. Das Nichtzutreffende zu erkennen und wieder aus dem Kopf herauszubekommen, dürfte dagegen schwierig sein." Unser Resümee
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