Christoph Meckel ruft sich Bilder zurück, die dem Zehnjährigen fürs Leben bezwingend wurden. Ein Weiterleben nach den Bombenangriffen, im Haus der Großeltern in Erfurt: von der kurzen Präsenz der Amerikaner und der längeren Besetzung durch die Russen bis hin zur abenteuerlichen Flucht mit der Mutter über die grüne Grenze im Sommer 1947. Ein Kind im Nachkriegsalltag zwischen anarchischen Freiräumen, unvorhersehbaren Unglücken und dem Zwang der Besatzer; mit überforderten Erwachsenen, die mit Flüchtlingen, dem Eindringen der "Razzia" und den Deportationen zurechtkommen müssen. Noch in den Szenerien des Schreckens regt sich die Utopie eines freieren Daseins.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2012
Ein reifes, ein beherrschtes Stück Literatur hat Urs Heftrich mit Christoph Meckels Kindheitserinnerungen gelesen. Die heikle Perspektive des Kindes auf Krieg und Mangel meistert der Autor laut Heftrich mit Bravour, "auf der Höhe seiner Kunst", sodass er den Spagat zwischen erwachsenem Bewusstsein und kindlicher beziehungsweise jugendlicher Wahrnehmung lakonisch leicht und mit Sinn für den Punkt an der richtigen Stelle, wie der Rezensent bewundernd feststellt, ausführt. Die so geschilderten Erlebnisse der Flucht zwischen '45 und '47, erst vor den Briten, dann vor den Russen, bleiben für Heftrich eine dauerhafte Lektüreerfahrung.
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