Herausgegeben von Anne König. Die Künstlerin Gabriele Stötzer gehörte in der DDR zur regimekritischen Szene in Erfurt. Nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976 wurde sie zu einem Jahr Haft verurteilt. Aber auch in dem berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck verstummte sie nicht. Nach ihrer Freilassung leitete sie eine Galerie, gründete eine Künstlerinnengruppe und besetzte am 3. Dezember 1989 mit Gleichgesinnten das Gebäude der Staatssicherheit. Nach über 25 Jahren hat Gabriele Stötzer in den Archiven der Stasi zu ihrer eigenen Vergangenheit und der weiterer 32 Künstlerkollegen geforscht. Ihr Bericht schildert die innere Logik der Überwachungsbehörde. Originaldokumente aus den Akten sowie Bildmaterial der Observierenden ergänzen ihren Text, der im Rahmen der Ausstellung "Zwischen Ausstieg und Aktion" 2014 in der Kunsthalle Erfurt entstand.
Rezensentin Sarah Alberti bekommt mit Gabriele Stötzers Buch Zeitgeschichte und feministische Kunstgeschichte. Die DDR-Realität, wie sie Stötzer anhand von Fotos, Stasiakten und Gedächtnisprotokollen erfasst, lässt Albert erkennen, wie Stötzer und die Künstler:innen-Szene in Erfurt Selbstermächtigung und Gesellschaftskritik gegen ein ubiquitäres Spitzelsystem verteidigten. Die Akteurinnen, deren Stasi-Akten die Autorin für das Buch recherchierte, werden von Stötzer und Co-Autorin Anne König in der Szene verortet, das Netz von Freundschaften und Überwachung wird so eindrücklich dargestellt, erklärt die Rezensentin. Ein Glossar und der offene, sachliche Ton der Arbeit nehmen außerdem für das Buch ein, findet Alberti.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2022
Rezensent Rene Schlott freut sich, dass der Atem der Erfurter Kunstszene, zu deren Repräsentantinnen die Autorin Gabriele Stötzer gehört, jedenfalls länger ist als der der Stasi. Wenn Stötzer über ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Szene berichtet, über konspirative Kunstschauen im Wohnungsflur, die Besetzung der Erfurter Stasi-Zentrale, ihre Haftzeit und die unvermeidlichen Spitzel, kann Schlott nur staunen über die Kreativität und den Mut der Beteiligten. Viele Fotos und die Stasi-Akten der Akteure bilden die dokumentarische Grundlage des schönen Bandes, so Schlott.
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