Aus dem Englischen von Matthias Reiss. Warum sind wir, wer wir sind? Bis heute spaltet diese Frage die Wissenschaft: Hier die Verfechter einer Vorbestimmung durch unsere genetischen Voraussetzungen, dort die Behauptung, dass wir durch Umwelt und Erziehung geprägt werden. Jede dieser beiden Positionen zieht Konsequenzen nach sich, die beispielsweise ganz praktische Fragen von Erziehung und Bildung berühren. Christopher Badcock ist es nun gelungen, diesen grundlegenden Widerspruch aufzulösen. Er kann nämlich beweisen, dass sich die epochalen Entdeckungen Darwins und Freuds nicht widersprechen, sondern ergänzen. Psychodarwinismus bedeutet, dass sich in der Evolution Verhaltensweisen durchsetzen, die Freud als psychische Mechanismen beschrieben hat: der Narzissmus etwa oder das Inzesttabu. Badcocks Thesen überzeugen um so mehr, als sie nicht auf Spekulationen beruhen, sondern sich auf Computersimulationen des evolutionären Geschehens stützen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.2000
Martin Stingelin scheint so manches recht fragwürdig zu finden an diesem Band. Zum einen stellt er fest, dass der Autor zahlreiche Aspekte, die seine Thesen in Frage stellen oder zumindest unter einem anderen Licht erscheinen lassen würden, einfach ausblendet. Zum anderen findet er auch Badcocks Auffassung problematisch, "die Kritik des Darwinismus diene als Schutz des eigenen Selbstwertgefühls einem Evolutionsvorteil". Dadurch läuft nach Ansicht des Rezensenten jegliche Kritik letztlich auf eine Bestätigung hinaus. Stingelin stellt bei Badcock eine "Provokationslust" fest, der er mit sachlichen Einwänden entgegen treten will. Kundig erläutert er daher Badcocks Thesen, die seiner Ansicht nach vor allem darauf hinauslaufen, dass das "Unbewusste (...) also ein genetisches Programm im Dienst des Fortpflanzungserfolges" ist und er stellt fest, dass Sprache für den Autor lediglich als "Sprache der Gene" relevant ist. Dementsprechend interpretiere Badcock beispielsweise auch die sogenannten "narzisstischen Kränkungen" Freuds, und das, obwohl die Psychoanalyse "nicht dem Gen (...), sondern dem Wort" verpflichtet sei.
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