Aus dem Englischen von Hans Freundl und Karsten Petersen. Noch vor einigen Jahren wurde das "türkische Modell" auf der ganzen Welt gepriesen. Recep Tayyip Erdogan und seiner AKP schien es gelungen zu sein, Islam, Demokratie und eine florierende Wirtschaft harmonisch zu vereinen und so die Türkei zum Vorbild in der ganzen arabischen Welt und zur Hoffnung des Westens zu machen. Davon kann inzwischen keine Rede mehr sein.
In seiner prägnanten Analyse argumentiert Cihan Tugal, dass die Probleme dieses Modells des islamischen Liberalismus viel tiefer gehen als Erdogans zunehmender Autoritarismus. Sie sind in einer gewollten Ehe zwischen Islam, Demokratie und einer neoliberalen Wirtschaft inhärent. Und dieses Modell kann nur als eine Antwort auf regionale Politik - insbesondere als Antwort auf das "iranische Modell" - verstanden werden.
Das türkische Modell ist in der Türkei selbst gescheitert, und die Dynamiken der arabischen Welt erschweren es zunehmend, es als politische Schablone zu exportieren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.06.2017
Moritz Behrendt erklärt sich manche Schwäche in Cihan Tugals Buch mit der Fertigstellung des Manuskripts bereits 2014. Dass der Autor bei seinen Erklärungen der Krise der Türkei aber so oft ausgerechnet teils auf jene herkömmlichen Erklärungen zurückgreift, die er verdammt, kann der Rezensent nicht verstehen. Die tieferen Strukturen der aktuellen Probleme kann der Soziologe dem Rezensenten so jedenfalls nicht auseinandersetzen. Außer einigen interessanten Einsichten ist für den Rezensenten nichts dabei, da der Autor allzu abstrakt und im Soziologen-Jargon gegen den Neoliberalismus anrennt, wie Behrendt zu verstehen gibt.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 22.03.2017
Dass Cihan Tugals Buch über das "türkische Modell", die "Verbindung von Demokratie, freier Marktwirtschaft und moderat konservativem Islam" nicht gerade unkompliziert zu lesen ist, verzeiht Rezensentin Elisabeth Kimmerle gern, denn ein so komplexes Thema lässt sich nicht in ein paar einfachen Sätzen abhandeln. In seinem Buch beschäftigt sich der Soziologe mit den Ursachen der aktuellen Krise in der Türkei, die tiefer liegen, als man zunächst annimmt, lesen wir. Fundiert und überschaubar klärt der Autor über die Entstehung des türkischen Modells, die Hoffnung des Westens auf seine Ausbreitung und sein Scheitern auf, eine äußerst erhellende Lektüre, meint die Rezensentin.
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