Unternehmerinnen, Menschenrechtsanwältinnen, Politikerinnen ? viele Menschen im Westen können sich nicht vorstellen, dass es solche Frauen in der arabischen Welt gibt. Denn es passt nicht zum gängigen Stereotyp der "passiven, unterdrückten arabischen Frau". Aber die schablonenhaften Bilder verhindern den Blick auf die Lebensrealität dieser Frauen. Sie streiten seit mehr als hundert Jahren für ihre Rechte, kämpfen gegen Gewalt und für Selbstbestimmung über ihre Leben und ihre Körper. Sie fordern gleiche Rechte und ein Ende männlicher Dominanz. Dieses Buch blickt zurück auf die Anfänge des arabischen Feminismus und begleitet seine Entwicklung bis heute.
Ein interessantes Buch annonciert Rezensent Abdul-Ahmad Rashid mit dieser Studie der Nahost-Expertin Claudia Mende. Bevor die Autorin mit zahlreichen Politikerinnen, Akademikerinnen, Müttern oder Hausfrauen spricht, führt sie zunächst in die Geschichte des arabischen Feminismus ein, erzählt uns der Rezensent. So ist hier etwa zu erfahren, wie heterogen die arabische Welt auch in Bezug auf Frauenrechte ist, zudem lernen wir Hoda Shaarawi kennen, die 1923 in Kairo die erste politische Organisation von Frauen in der arabischen Welt gründete und Salons für Frauen einrichtete. Auch über "Staatsfeminismus" oder den doppelten Kampf arabischer Frauen während der Arabellion erfährt der Kritiker hier allerhand. Dass die Autorin unermüdlich Kritik am Westen äußert, der sein Emanzipationskonzept der arabischen Welt aufzudrängen versuche, findet der Rezensent allerdings ein wenig störend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.10.2024
Rezensentin Ursula Rüssmann ist beeindruckt von Claudia Mendes Buch über arabische Feministinnen. Das Buch porträtiert Feministinnen in vielen arabischen Ländern, von Marokko bis Saudi-Arabien, den Anfang macht Hora Shaarawi, die in Ägypten schon 1923 den Schleier abgelegt hatte. Es geht keineswegs nur um das Kopftuch in diesem Buch, stellt Rüssmann klar, vielmehr treibt die Frauen, die hier im Zentrum stehen, der Kampf um Geschlechtergerechtigkeit in vielen Facetten um, die Themen sind universell: Bildungszugang, sexuelle Selbstbestimmung und so weiter. Dass es nach wie vor Probleme gibt, aufgrund religiöser und nichtreligiöser Repression, verschweige das Buch nicht, aber keineswegs werde hier das Klischee der unterdrückten arabischen Frau bedient. Stattdessen berichtet Mende von, freilich gefährdeten, Fortschritten in Sachen Frauenrechte auf dem Land und feministischen Koranauslegungen. Selbstbewusst sind die arabischen Frauenrechtlerinnen, freut sich Rüssmann beim Lesen, diese Frauen warten keineswegs darauf, dass der Westen sie erlöst.
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