Indien - wir kennen die orientalische Pracht seiner Bauwerke, den farbigen Wirbel seiner Küche, den spirituellen Glanz seiner Lehren, die tosenden Tänze Bollywoods. Das Indien der Maharadschas und der Kolonialstationen in den Teehügeln existiert aber zwischen Megastädten und Elendsvierteln - und hier wird die Schlacht entschieden werden, die den Subkontinent neben China zur wichtigsten Wirtschaftsmacht unseres Jahrtausends macht. Die beste Software-Ingenieure der Welt stammen aus einem Land, das von Archaik und Kastenwesen, von Religionszwist und Religionshass geprägt ist. Diesen Widersprüchen geht Claudia Wenner in ihrer Anthologie nach. Anhand von literarischen Texten der großen Autoren wie Rohinton Mistry, Arundhati Roy, Salman Rushdie, Vikram Seth und von Zeitungsessays sowie Internetartikeln entsteht ein Kaleidoskop, das dem Alltag Indiens in all seinen Dimensionen nachspürt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006
Der Rezensent mit dem Kürzel "lmue" warnt die Leser vor Enttäuschungen, die sich von dieser Anthologie eine Einführung in das spirituelle Indien erhoffen. Das Band versammele vielmehr neben Prosatexten und einigen Gedichten hauptsächlich Essays zu den verschiedensten Aspekten Indiens, stellt der Rezensent klar. Neben der politischen Dimension des geteilten Landes stehen vor allem Porträts von Indiens Metropolen und die Vielfalt der Sprachen im Mittelpunkt, erklärt der Rezensent, der insbesondere den polemischen Aufsatz der Herausgeberin gegen eine einseitige Bevorzugung von englisch geschriebener indischer Literatur zustimmend hervorhebt.
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