Ethnografische Museen in Europa stehen seit geraumer Zeit unter legitimatorischem Zugzwang. Der grundlegende Diskurs ihrer Ausstellungen steht hierbei ebenso zur Disposition wie ihre sich nur allzu oft kolonialer Selbstermächtigung verdankende Sammlungsgeschichte. Dass es so nicht weitergeht, ist klar. Dass es darüber hinaus auch ganz anders sein kann, zeigt Clémentine Deliss in ihrer aktuellen Publikation. Sie bietet einen spannenden Mix aus autobiografisch informiertem Roman und wissenschaftlich argumentierendem Thesenpapier zur Gegenwartskunst und Ethnologie. Reflexionen über die eigene Arbeit als Direktorin des Frankfurter Weltkulturen Museums treffen auf prägende Auseinandersetzungen mit einflussreichen FilmemacherInnen, KünstlerInnen und SchriftstellerInnen. Zustandsbeschreibungen treffen auf das Metabolic Museum, das als interventionistisches Labor potenzielle Sammlungen für die Zukunft öffnet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.09.2020
Jörg Häntzschel genießt die "respektlose Energie" der Kuratorin Clementine Deliss. Für ihn ist es genau das, was den weiterhin im Exotismus ihrer verstaubten kolonialen Sammlungen schwelgenden Museen fehlt. Dass die Autorin, die hier ihren Rauswurf als Direktorin des Frankfurter Völkerkundemuseums 2015 rekapituliert und ihre Vorstellung von einem "post-ethnologischem Museum" erläutert, nicht gerade selbstkritisch und behutsam vorgeht, sondern "durch ihren Stoff rumpelt" - geschenkt, so Häntzschel. Der "pathologische Zustand" der Museen hat den unbefangenen, erweiternden Blick dieser Frau nötig, meint er.
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