1975 in der norddeutschen Provinz: Nach dem Tod ihrer Mutter hält die 14-jährige Beeke nichts mehr auf dem tristen Hof ihrer Eltern, sie flüchtet mit dem Zug nach München. Hier soll ihr älterer Bruder seit Jahren ein wildes, freies Leben führen - und zwar als Disko-Produzent. Was das genau ist, weiß Beeke nur vage. "Du hast damals geschrieben, dass in München ein ganz neuer Sound entsteht, Munich Sound. Das sei das ganz große Ding." In München spürt sie die fiebrige Aufbruchstimmung, tagsüber schläft sie, nachts sucht sie in Diskotheken nach ihrem Bruder. Doch als sie ihn endlich findet, ist die Situation ganz anders, als sie es sich vorgestellt hat. Und dann erfährt Beeke, warum sich ihr Bruder gezwungen fühlte, seinen Heimatort Hals über Kopf zu verlassen.
Dass Till Raether mit seinem neuen Roman mal wieder "ein Stück deutsche Zeitgeschichte" erzählt, freut die zufriedene Rezensentin Nina Apin: Darin macht sich die 14-jährige Beeke aus Schleswig-Holstein Mitte der 1970er Jahre auf den Weg nach München, wo ihr älterer Bruder als Produzent von Diskomusik lebt. Auf der Suche nach ihrem Bruder entdeckt sie zum einen "die heißesten Läden an der Leopoldstraße" und zum anderen, dass sie nicht die einzige ist, die hinter ihm her ist, die Disko-Konkurrenz schläft ebenfalls nicht, erfahren wir. Apin liest zudem in der fortlaufenden Handlung, wie das alles mit der Familiengeschichte in den letzten Kriegstagen zusammenhängt. Manchmal wirkt die Komik des Buches wie ein Gefühlsschutz, dennoch liest die Kritikerin auch sehr gelungene emotionale Wiedersehensszenen - und der Discosound begleitet sie auch nach beendeter Lektüre, wie sie schließt.
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