Lilianas unvergänglicher Sommer

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2025
ISBN
9783608966749
Gebunden, 336 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Spanischen von Johanna Schwering. "Lilianas unvergänglicher Sommer" ist das Porträt einer Schwester. Es ist die Suche nach den Spuren einer jungen Frau. Liliana kann besser schwimmen als ihre ältere Schwester, ist größer und aufgeschlossener. Sie hat einen festen Freund, sie studiert, schlägt sich die Nächte mit ihren Freundinnen um die Ohren. Sie trennt sich von ihrem Freund, lernt, geht ins Kino. Und dann: wird Liliana Rivera Garza ermordet. Der Täter ist ihr Ex-Partner, seither nicht verurteilt. 29 Jahre später kehrt die preisgekrönte Autorin Cristina Rivera Garza aus den USA nach Mexiko zurück, um sich dem Andenken an ihre Schwester Liliana zu widmen. Doch der Erinnerung an Liliana, an die Unbeschwertheit ihrer Jugend, an ihr Leben und ihr Sterben steht die Bürokratie der Justiz entgegen - und die Sprache. Die Sprache, um die Cristina Rivera Garza ringt, ist eine, die es nicht gibt, die es nicht geben kann, die es geben muss. Es ist eine Sprache, in der ein zu früh verlorenes Leben verstanden werden kann. Und die den Lebensfunken einer jungen, ausgelöschten Frau neu entfacht.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 19.07.2025
Femizide sind besonders in Mexiko ein großes Problem, weiß Rezensent Fokke Joel, auch die Schwester von Cristina Rivera Garza wurde von ihrem Ex-Freund ermordet, ihr widmet sie nun dieses Buch. Der Täter ist bis heute nicht bestraft worden, die Aufklärungsrate für Morde liegt in Mexiko nur bei circa drei Prozent. Rivera Garza versucht nun mehr als dreißig Jahre nach Lilianas Tod, ihr zumindest in der Form Gerechtigkeit zukommen zu lassen, dass sie Freunde und Familie um Erinnerungen bittet und auch Lilianas Aufzeichnungen in dieses "kämpferische" Buch integriert, wie Joel festhält. Ihm leuchtet zwar ein, warum die Autorin dieses Buch geradezu hagiografisch verfasst hat, doch ihm fehlen oftmals Bezugnahmen auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Trotzdem regt ihn das Buch an, über eine Sprache nachzudenken, mit der über die Verwicklungen von Liebe, Gewalt und Macht gesprochen werden kann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.07.2025
Cristina Rivera Garza hat laut Rezensent Sebastian Schoepp ein wichtiges Buch zu einem Problem gescheiben, das nicht nur, aber in besonderer Schwere in Mexiko grassiert: Die Autorin schreibt über den Femizid an ihrer Schwester. Lange habe es dafür weder die nötige Sprache gegeben, noch sei sie bereit gewesen, sich damit auseinanderzusetzen, dass der Mörder seit 1990 "nicht mal angeklagt" wurde, erzählt der Rezensent. Ihre Recherchen zeigen, dass ihre Schwester Liliana eine moderne junge Frau war, die zum Studieren nach Mexiko-Stadt zog, sich Freiheiten erkämpfte und dann von ihrem Ex-Freund und Stalker Angel erdrosselt wurde. Am eindrücklichsten findet Schoepp die Passagen, in denen Rivera Garza schildert, wie die Familie mit dem Verlust umzugehen versucht, die Leere, die Schuldgefühle, die Selbstvorwürfe. In Mexiko ist die Geschichte von Liliana längst preisgekrönt und hat Symbolwirkung entfaltet, schließt der beeindruckte Kritiker.