Cy Twombly (1928, Lexington, VA - 2011, Rom) trat schon als Schüler und Student am Black Mountain College mit einzigartigen und bis dato fast unvorstellbar anarchisch-chaotischen Bleistiftzeichnungen ins künstlerische Bewusstsein der dort Lehrenden. Er wurde zum Lieblingsschüler von Ben Shahn und Robert Motherwell. Was damals noch als Exzentrik im Rahmen des abstrakten Expressionismus angesehen wurde, hat sich bis zum Tod des Künstlers in ein einzigartiges künstlerisches Gesamtwerk verwandelt, das alle Zeitströmungen aufgesogen hat, ohne die ursprüngliche Originalität und Erfindungsgabe auch nur im Geringsten zu verlieren. Ganz im Gegenteil: aus dem zeichnerischen Werk abgeleitet traten im Laufe der Zeit ebenso einflussreiche malerische Werkkomplexe in Malerei, Skulptur und Photographie ans Licht.
Mit Band 8 des Cy Twombly Catalogue Raisonné of Drawings liegt der zeichnerische Komplex nun abgeschlossen vor, in 1952 Seiten und 1890 Werken. Es ist sozusagen der künstlerische Urgrund der Schöpfungen des Künstlers, die alle um ein großes Thema kreisen: mit der Verwendung von schriftähnlichen Zeichensystemen eine Kunst zu schaffen, in der sich Zufall und Determinismus zu einem Bewusstseinsteppich verweben. Sie ist einer der wesentlichen Beiträge zur condition humaine im 20. Jahrhundert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.08.2017
Arno Widmann ist gerührt von Nicola Del Roscios Großprojekt des Katalogs der Zeichnungen Cy Twomblys, dessen letzter Band nun vorliegt. Der Rezensent berichtet von seinen Erweckungserlebnissen mit den Arbeiten Twomblys und davon, wie ihn dessen Kreise und Striche zum Malen mit Wasserfarben animieren, nicht weil es so einfach aussieht, wie Widmann erläutert, sondern weil es Twomblys Arbeiten als so selbstverständlich erscheinen lassen. Schauen und sich von der "Schönheit des Gewöhnlichen" inspirieren lassen, rät der Rezensent. Gar nicht so einfach bei dem Preis!
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