Dagmar von Gersdorff

Goethes Mutter

Eine Biografie
Cover: Goethes Mutter
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783458170655
Gebunden, 400 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Er habe Phantasie, "Einbildungskraft" und Formulierungskunst von der Mutter, der "brillanten" Erzählerin, geerbt, bemerkt Goethe in Dichtung und Wahrheit, und auch die Besucher im Hirschgraben waren überrascht, den Dichter "ganz in ihr wiederzufinden". Was die Ähnlichkeit betraf, so erklärte sie: "Ich stelle mein Licht nicht unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter." Catharina Elisabeth Goethe führte ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben. Sie gründete einen Literaturkreis, spielte Schach, ließ sich neuere Lektüre aus der Leihbibliothek kommen, spielte leidenschaftlich Klavier und liebte das Theater. Dagmar von Gersdorff hat das Leben der Catharina Elisabeth Goethe anhand von Quellen und Zeugnissen erforscht; ihre Recherchen legt sie in dieser Biographie vor. Auch bislang unveröffentlichte Dokumente konnten für die Darstellung herangezogen werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.08.2001

Das Buch ist natürlich auch Lebensbild des Sohnes. Auch. Und es ist ein Stück Geschichte des Bürgertums im 18. Jahrhundert. Vor allem aber ist es die Biographie einer Frau, die "um ihrer selbst willen eindrucksvoll genug gewesen" ist. Eindrucksvoll findet Erika Deiss, was Mutter Goethe so alles auszuhalten hatte: Das Leben - ein Knochenjob. Nachvollziehen konnte Deiss das anhand der erhaltenen und von der Autorin erstmals ausgewerteten Ausgaben-, Wirtschafts-, Spiel-, Wasch- und Cassabücher (30 an der Zahl!) des Hauses Goethe. Eine Quelle ersten Ranges für die Lebensform einer Epoche, meint die Rezensentin, und für die Lebensleistung einer Frau, die - alle Goethe-Hagiographen mal weggehört - "nicht weniger Respekt verdient als das geniale Werk des Sohnes."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.05.2001

Wolfgang Schneider begrüßt dieses Buch sehr, ist doch Elisabeth Goethe seiner Ansicht nach bisher bei Betrachtungen über Frauen in Goethes Leben eindeutig zu kurz gekommen. Das mag an der spärlichen Quellenlage liegen, deutet Schneider an, denn Goethe selbst hat bei einer umfangreichen Briefverbrennung auch die Schreiben seiner Mutter vernichtet. Und so stützt sich die Autorin, wie der Leser erfährt, vor allem auf umfangreiche Haushaltsaufzeichnungen, auf 'Dichtung und Wahrheit' sowie die "Goethe-Biografik". Interessant findet Schneider, dass es Gersdorff gelingt, mit dem Vorurteil aufzuräumen, Elisabeth Goethe "sei ebenso ungebildet wie heiter" gewesen. Es zeige sich, dass ihr Lesepensum immens gewesen sein muss, und dass besonders Klopstock, Lessing und Schiller die von ihr favorisierten Dichter waren. Darüber hinaus kristallisiert sich nach Schneider das Bild einer Frau heraus, die ausgesprochen tolerant, beliebt und gesellig gewesen sein muss, die von sich selbst allerdings auch behauptete "ihre Seele (habe) 'von Jugend auf keine Schnürbrust angekriegt'". Schneider vermisst in dieser Biografie allerdings einen "Schuss Respektlosigkeit" und Widersprüche. Auch der "Goethe-Groll" der Autorin, der spürbar sei (besonders, weil sich Goethe später kaum um seine Mutter gekümmert hat und auch nicht zur Beerdigung erschien), scheint ihm zwar verständlich, doch gleichzeitig ein wenig übertrieben.

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