Aus dem Spanischen von Heinrich von Berenberg. Einer der unterhaltsamsten argentinischen Intellektuellen schreibt die Autobiografie eines modernen Menschen: Dami ist ein karrieresüchtiger Marketingspezialist, der davon träumt, als perfektes Rädchen die Spitze der Karriereleiter zu erklimmen und die modernste Version des globalisierten Turbokapitalismus voranzutreiben. Dumm nur, dass jedes Mal, wenn die Karriere Fahrt aufnimmt, Probleme von einer vollkommen unberechenbaren Seite kommen: dem eigenen Körper. Der funktioniert nicht so wie das Bild, das Dami von sich selbst macht: Augen, Bandscheiben, Herz, Magengeschwür, Allergien etc. - er ist ein menschliches Wesen, obwohl er gerade das gern vermeiden würde. Ein Buch, das sich mit beißender Ironie der condition humaine des modernen Stadtmenschen widmet: entwurzelt, modern, ehrgeizig, krank und alles andere als perfekt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2011
Mit Logik kommt Rezensent Wolfgang Schneider bei dieser Erzählung des jungen Argentiniers Damian Tabarovsky nicht weit. Schon die Genrebezeichnung Autobiografie haut nicht hin, wenn doch in der 3. Person erzählt wird! Doch Schneider gefällt der Held, ein moderner Niemand, trotzdem gut. Dass auf fast nichts Verlass ist in dieser polyphonen Kamikazeprosa aus Zitaten, Theorie, Gedanken, Beschreibung und was nicht noch alles, scheint ihm ganz gut zu passen, wenn die Anfälligkeit des Körpers verhandelt wird oder der Autor die Medien veräppelt. Und schließlich findet auch immer wieder ein Diskursbrocken Rückkopplung mit der gepeinigten Existenz des Helden. Für Schneider ein neuer Ton, nicht zuletzt in der lateinamerikanischen Literatur, und kein Tango nirgends.
Als angenehm beiläufige Schilderung des argentinischen Alltags schätzt Eva-Christina Meier diesen Roman des Exverlegers und Provokateurs Damian Tabarovsky. Darüber hinaus verschaffte er ihr den Einblick in neue, manchmal verwegene Zusammenhänge zwischen großen und kleinen Fragen des Lebens und seiner täglichen Bewältigung. Sie mochte auch das Muttersöhnchen im Anzug, das Tabarovsky zum Protagonisten seines literarischen Kosmos' erkor, und freut sich, beim Lesen mit dem Autor die Erfahrung teilen zu dürfen, das Literatur eine intensive und radikale Angelegenheit sein kann.
Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich…