Monica

Reprodukt Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783956404399
Gebunden, 106 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Auf den ersten Blick ist MONICA eine Sammlung von neun Kurzgeschichten, die, der Reihe nach gelesen, grob chronologisch die Geschichte der USA vom Vietnamkrieg bis in eine nahe Zukunft erzählen. Man kann sie als völlig unzusammenhängende fiktive Geschichten lesen. Gemeinsam zeichnen sie die Lebensgeschichte der Titelfigur Monica, die von ihrer Hippie-Mutter früh bei den Großeltern zurückgelassen wird und ihrem Vater nie begegnet ist. Monica versucht, ihrem Leben einen Sinn zu geben: durch finanziellen Erfolg, durch Kreativität, durch Religion, durch ihre Elternschaft, und macht sich schließlich auf die Suche nach ihrem familiären Hintergrund. Doch das Leben entpuppt sich als eine Reihe von Täuschungen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.01.2025
Rezensent Christian Gasser liest Daniel Clowes Comic über eine junge Frau auf Spurensuche in der Hippie-Sekten-Vergangenheit der Mutter mit Spannung. Der Schöpfer von Ghost World glänzt laut Gasser wiederum mit achronologischem, unzuverlässigem und genreübergreifendem Erzählen. Der Autor zeichnet die Sektenrealität und die USA insgesamt in düsteren Farben, meint er, und variiert seine Story zeichnerisch wie erzählerisch raffiniert, indem er mal mit den grellen Farben alter Teen-Romance-Comics arbeitet, mal mit Horrorelementen oder psychedelischen Typografien, um unheimliche Stimmungen zu erzeugen. Dass der Comic dennoch nichts Nostalgisches hat, sondern aktuell wirkt, weil er auf heutige Verschwörungstheorien verweist, findet Gasser reizvoll.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 18.12.2024
Einen erbarmungslos kritischen Blick wirft Daniel Clowes in seinem neuen Comic "Monica" auf die US-amerikanische Gesellschaft, verrät Rezensent Ralph Trommer. Monica ist die Tochter einer von den 68er-Jahren geprägten Mutter, die ihre Tochter eines Tages bei den Großeltern zurücklässt und einfach verschwindet. Monica hat später ihrerseits Schwierigkeiten, Stabilität im Leben zu finden, so Trommer, die Suche nach der Mutter führt sie schließlich zu einer Sekte von Verschwörungstheoretikern. Clowes kreiert hier das Bild einer verlorenen Generation in realistischen Bildern, die allerdings durch unterschiedliche darstellerische Elemente verfremdet werden und so die Abgründe hinter der gesellschaftlichen Fassade durchscheinen lassen, erklärt der Kritiker. Immer wieder verschwimmen die Grenzen zwischen Fantasie und Realität, auch die kurzen Einschübe, in denen Clowes beunruhigend-dystopische Kurzgeschichten erzählt, scheinen zunächst der Fantasie der Protagonistin zu entspringen. So kritisch der Blick auf die USA, so sensibel und einfühlsam ist hingegen das Frauenporträt der nach Halt suchenden Protagonistin, schließt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.12.2024
Rezensent Fritz Göttler fühlt sich bei der Lektüre von Daniel Clowes' Comic an die labyrinthischen Erzählstrukturen eines Thomas Pynchon oder James Joyce erinnert und ist von der visuellen Lebendigkeit des Bandes sehr angetan. Alles beginnt ganz "banal" mit einem Gespräch zweier Soldaten im Vietnamkrieg. Johnny träumt von einem einfachen Leben - mit Haus, festem Job und Kindern. Doch daraus wird nichts, resümiert Göttler die unerwarteten Wendungen der Erzählung. Johnny und seine Freundin Penny verlieren sich in den Wirren der sechziger Jahre, die kleine Monica wird den Großeltern übergeben. Und hier liege der Schlüssel, betont Göttler - es gehe eben um Monica und ihre lebenslange Suche nach der verlorenen Vaterfigur. Cloews spiele dabei mit den Genres, besonders "lässig und konsequent", lobt der Rezensent. Die Biografie diene Clowes zur Erkundung persönlicher Welten und Mythologien - ein "wahrhaft komplexes Unterfangen", so der Rezensent und dabei durchaus gelungen, wie er findet.