Katastrophen darf man nicht persönlich nehmen, auch wenn eine Hoffnung nach der anderen schwindet: die auf dauerhaften Frieden, auf ein starkes Europa, auf ein multikulturelles Zusammenleben, auf eine nachhaltige Weltgesellschaft. Was ist schiefgegangen, wo liegen die Fehler, aber auch: Was ist trotz allem möglich? Ohne Illusionen, ohne Weinerlichkeit, ohne Zorn und ohne Rechthaberei schauen Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie zurück und gleichzeitig mitten hinein in die aktuelle Wirklichkeit. Ihr unangepasstes Denken und die lange politische Erfahrung machten beide zu begehrten Kommentatoren, sei es zum Nahostkonflikt, dem Aufstieg der Rechten oder zur französischen und US-amerikanischen Politik. Die aus langen Diskussionen gewonnenen Einsichten sind in einer politisch so heiklen Lage wie der jetzigen von besonders hohem Wert. In diesem Buch erzählen sie von Meilensteinen in ihrem Leben und verraten auch weniger Bekanntes wie etwa die herausfordernden Beratungstätigkeiten für Merkel und Macron.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2025
Rezensent Jörg Später liest interessiert diesen "dialogischen Pas de deux" von Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie als Buch zwischen biografischen Betrachtungen und politischer Reflexion. Die beiden politischen Interventionisten blicken zurück auf bewegte Zeiten - von "68" bis zur Gegenwart -, ohne den Blick nach vorn zu verlieren, so der Krtiker. Migration, Klimawandel und Nahost. Cohn-Bendit, dessen Eltern 1933 aus Berlin nach Paris geflohen sind, und Leggewie, dessen Vater ein NS-Mitläufer war, stehen für eine Freundschaft über historische Brüche hinweg. Heute verstehen sie sich als "Melioristen", die Veränderungen vorantreiben wollen, erfahren wir. Die Konflikte unserer Zeit verorten die beiden auch nicht mehr im Links-Rechts-Schema, erklärt der Kritiker, sondern zwischen "Vorantreibern und Bremsern." Ein Buch, das differenziert argumentiert und politische Streitlust mit Erfahrung verbindet - heutzutage eine Seltenheit, schließt Später.
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