In den Nachrichten erscheint der Nahe Osten oft als ewiger Krisenherd, wo Konflikte mit unerbittlicher Gewalt ausgetragen werden und niemand Kompromisse machen will. In einer Reise durch 3.000 Jahre Geschichte hinterfragt Daniel Gerlach dieses trügerische Bild und zeigt zugleich, wie es entstanden ist. Der Nahost-Experte erzählt, wie Konflikte von außen in die Region hineingetragen oder durch externe Akteure verstärkt wurden. Wie sich mutige Figuren von einer "Jemenkrise" in der Spätantike zur Palästinafrage im 20. Jahrhundert bis zum Fall des Assad-Regimes in Syrien für Frieden einsetzten - oftmals im Geheimen und selten ohne eigene, machtpolitische Interessen. Gerlach beleuchtet die Methoden und Tricks von Unterhändlern sowie die Rückschläge, die sie erlebten, und macht deutlich: Im Nahen Osten sind Deals nicht die Ausnahme, sondern die Regel.
Eine bereichernde Perspektive, findet Rezensent Ismael Berrazouane, entwirft dieses Buch auf die Geschichte des Nahen Ostens. Daniel Gerlach, ein aus dem Fernsehen bekannter Experte für die Region und Chefredakteur des stiftungsfinanzierten Magazins zenith, stellt nicht die Kriege im Nahen Osten ins Zentrum seiner drei Jahrtausende umfassenden Betrachtung, sondern Friedensbemühungen. Die gab es immer wieder, oft hatten sie mit der Initiative Einzelner zu tun, wobei sich zeigt, dass manche Friedensinitiative neue Konflikte hervorbringen, während andererseits manche bewaffnete Konflikte Friedensbemühungen den Weg ebnen. Es ist eben alles kompliziert, und manchmal kann das zudem in einer ziemlich ornamentalen, nebensatzreichen Sprache geschriebene Buch den Leser überfordern. Aber insgesamt zieht Berrazouane ein klar positives Fazit: Gerade die Passagen, in denen Gerlach Selbsterlebtes einfließen lässt, zum Beispiel zu den jüngeren Konflikten in Syrien, sind bereichernd. Nicht zuletzt, schließt die Besprechung, weil Gerlach klarstellt, dass sich Mut zum Frieden auch in schwierigen Zeiten lohnen kann.
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