Daniel Heller-Roazen

Echolalien

Über das Vergessen von Sprache
Cover: Echolalien
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783518584934
Gebunden, 280 Seiten, 26,80 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Michael Bischoff. Um die Historizität der Sprache, die Geburt und das Sterben von Lauten, Worten und Idiomen geht es in Daniel Heller-Roazens einundzwanzig funkelnden Essays. Sprachtheoretische Betrachtungen Benjamins, Jakobsons und Freuds schließt er kurz mit poetischen Anekdoten aus der Geschichte der Linguistik: über die Nymphe Io, die - von Jupiter in eine Kuh verwandelt - ihren Namen mit dem Huf in den Sand schrieb, den Turm von Babel und das Geplapper der Kinder (der Begriff Echolalie bezeichnet das Wiederholen vorgesagter Phrasen), Menschen ohne Zunge, einen Schizophrenen, der systematisch seine Muttersprache vergaß, das Verschwinden des h, dem Karl Kraus seine Elegie auf den Tod eines Lautes widmete, und über"tote"Idiome, die keine Sprachen mehr sind,"sondern nur noch Tinte und Papier".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.06.2008

Dem 21 Essays umfassenden Band "Echolalien. Über das Vergessen der Sprache" des Literaturwissenschaftlers Daniel Heller-Roazen entnimmt die Rezensentin Sylvia Staude den Hauptgedanken, dass alles Sprachenvergessen nur eine Erneuerung sei. Die Ausführungen zum vielbeschworenen "Tod" mancher Sprachen wie dem Lateinischen sind der Rezensentin Lehrpfade, denen sie vom kindlichen Spracherwerb bis zum Verlust einzelner Buchstaben mit leichtem Schritt folgt (auch der den Band verlegende Suhrkamp Verlag kann das Verschwinden des Eszetts nicht verhindern, stichelt Staude). Nur zur Funktion der Inhaltsvermittlung hätte sie gerne mehr gelesen, denn dies - so meint die Rezensentin - sei doch der "Zweck jeder Sprache".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.03.2008

In einer ausgreifenden Kritik singt Jürgen Trabant das Loblied auf Daniel Heller-Roazens Buch über die Sprache, und er ist derart begeistert,obwohl er mit der Grundthese des amerikanischen Autors nicht übereinstimmt. Heller-Roazen, dessen Kenntnis von zahlreichen Sprachen der Rezensent bewundernd hervorhebt, weitet den psychiatrischen Begriff der "Echolalie", das zwanghafte Wiederholen von Lauten und Worten, auf Sprache insgesamt aus und argumentiert, dass sich in der Sprache das Vergessen der Urlaute, des Babybrabbelns, manifestiert. Der Autor mache damit das Vergessen und nicht - wie sonst unter Linguisten üblich - das Erinnern zur Wurzel der Sprache, und er führe diese These derart klug und unterhaltsam an vielen Beispielen vor, dass es eine Freude sei, so der Rezensent hingerissen. Heller-Roazen sucht vergessene und verdrängte Reste in der Sprache auf und versucht zu zeigen, dass Sprache immer ein "Echo von anderen, verschwundenen Sprachen" ist, erklärt der Rezensent gefesselt. Für ihn könnte ein Buch nicht gelungener sein, denn es bietet stupende "Gelehrsamkeit" und herrliche intellektuelle Unterhaltung, preist der Rezensent. Nur mit der Übersetzung ist er nicht recht zufrieden, die sachliche Fehler berge, wie er moniert.

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