Die Ungleichheit zwischen armen und reichen Ländern gehört seit dem Zweiten Weltkrieg zu den wichtigsten Themen der internationalen Politik. Dieses Buch zeigt historisch auf, welche Formen des Wissens dabei global bedeutsam wurden. Im Zentrum steht die Geschichte des zahlenmäßigen Vergleichs von Volkswirtschaften nach ihrem Bruttosozialprodukt. Diese Sichtweise war bis in die 1930er-Jahre unbekannt. Sie stammt aus der quantifizierenden Makroökonomie, doch die Vertreter dieser Disziplin standen den gesamtwirtschaftlichen Abstraktionen lange äußerst skeptisch gegenüber. Erst als nach 1945 aus dem Tagesgeschäft der internationalen Politik und der Diplomatie heraus eine neue Nachfrage nach globalen Statistiken entstand, trat das Bruttosozialprodukt seinen Siegeszug an. Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung stellte eine vermeintlich neutrale Darstellung von weltwirtschaftlicher Ungleichheit bereit, die es den politischen Akteuren erlaubte, Komplexitäten zu reduzieren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.02.2014
Es geht um viel mehr als um Zahlenspielerei in diesem Buch des Historikers Daniel Speich Chassé, meint die Rezensentin Lea Haller. Der Abstraktionsleistung Bruttosozialprodukt, diesem kartografischen Mittel, erklärt sie, immer Speich Chassés historisch gepolte Geschichte vor Augen, folgen ja echte Handlungen. Sichtbar sind diese für Haller in den Planbarkeitsfantasien der 60er Jahre genauso wie im späteren Blick auf das Individuum. Immer geht es um soziale Problemstellungen. Dass der Autor hier mit Denkgewohnheiten bricht und die historischen Folgen der "Weltbuchhaltung" aufzeigt, findet Haller spannend. Nord-Süd-Konflikt, Kalter Krieg, Neoliberalismus scheinen gleich in neuem Licht. Einsichtsvoll und reflexiv auf hohem Niveau sei das Buch, lobt die Rezensentin.
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