Museen sind Massenmedien. Aufwendige Ausstellungsprojekte erreichen immense Besucherzahlen; kühne Museumsbauten bilden neue Landmarken. Lauter Erfolgsgeschichten, oder? Doch auch wenn sie es ungern zugeben: Betrieb und Besucher sind gleichermaßen ermüdet. Immer mehr, immer teurer, immer multimedialer und irgendwie immer dasselbe. Der Mangel an Ideen und gedanklicher Tiefe, die ängstliche Befriedigung antizipierter Erwartungen und die Selbstreferenzialität des Betriebs gehören für den Philosophen und Kurator Daniel Tyradellis zu den Kernproblemen der Museen. Wichtiger als ein breiteres Spektrum an Exponaten und Präsentationsformen sollten die inhaltlichen Überlegungen sein, die Themen und Thesen einer Ausstellung, die sich von den überholten Oppositionen und Zuordnungen frei machen und dadurch den Museen neue Möglichkeiten eröffnen, mit ihren Objekten und ihrer Expertise umzugehen.
Erfrischend mit Abstrichen findet Ingo Arend diese Denkschrift mit polemischer Note aus der Hand des Philosophen Daniel Tyradellis. Lesenswert scheint ihm der Text immer dann, wenn der Autor neue Konzepte und Ideen für den Ausstellungsbetrieb fordert, ohne das Museum infrage zu stellen. Tyradellis Forderung nach neuen, verunsichernden Inhalten und Formen, nach der Wunderkammer innerhalb der Institution Museum dünkt Arend freilich nicht brandneu. Und auch die Präsentation zwischen philosophischem Essay und Ratgeber scheint Arend nicht ganz zu behagen. Wichtig und richtig, meint der Rezensent, sind die Gedanken in diesem Band dennoch.
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