Wiktoria Lomasko, Anton Nikolajew

Verbotene Kunst

Eine Moskauer Ausstellung. Gerichtsreportage
Cover: Verbotene Kunst
Matthes und Seitz, Berlin 2013
ISBN 9783882219845
Gebunden, 171 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen und mit einem Nachwort von Sandra Frimmel. Ein realer Gerichtsprozess liegt dieser künstlerischen Bildreportage zugrunde. Die Ausstellung "Verbotene Kunst 2006" zeigte nur durch Gucklöcher Werke, die aus religiösen, politischen oder weltanschaulichen Gründen im Laufe des Jahres in den Galerien und Museen nicht gezeigt wurden, und provozierte derart viele Anzeigen und Klagen, dass die Ausstellungsmacher vor Gericht gestellt wurden. Dieser an Schauprozesse erinnernde Prozess wurde zum Politikum. Die Künstlerin Wiktoria Lomasko und der Journalist Anton Nikolajew verfolgten und dokumentierten die einzelnen Sitzungen im Gerichtssaal. Sie schildern den Prozess, der sich lange zog und teilweise groteske Züge annahm, mitsamt seinen Umständen. Ein in seiner Art einzigartiger Bericht, ein faszinierendes Spiel mit Engagement und Dokumentarismus, das die Berichterstattung zu einer eigenen, neuen Kunstform erhebt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.03.2013

Die Zeichnerin Wiktoria Lomasko ist eine Meisterin des Reportage-Comics, erklärt Christoph Haas, in ihren Arbeiten nimmt sie sich der "Verlierer der russischen Gesellschaft" an: jugendliche Strafgefangene, frustrierte Intellektuelle, politische Unruhestifter und vereinsamte Alte. "Verbotene Kunst" ist eine Gerichtsreportage, die sie zusammen mit dem Journalisten Anton Nikolajew erstellt hat, aufgrund der vielen Aktivistengruppen und politischen Akteure eine "schwierige Lektüre", warnt der Rezensent, aber wenigstens mit ausreichender Sprengkraft, dass bereits eine Moskauer Kuratorin Lomasko aus dem Programm genommen hat. Vorauseilender Gehorsam, meint Haas. "Verbotene Kunst", so hieß auch die Ausstellung, die Andrei Jerofejew und Juri Samodurow organisiert hatten, um ihren Prozess geht es, berichtet der Rezensent. Zeugen, die religiöse Betroffenheit beschwören, obwohl sie nicht einmal vor Ort waren, abgelesene Aussagen, man darf sich an Stalinistische Schauprozesse erinnert fühlen, findet Haas. Er hätte sich für das Buch bei aller politischen Relevanz ein größeres Format gewünscht, Lomaskos Zeichnungen kommen auf Taschenbuchgröße nicht ordentlich zur Geltung und verkommen leider oft zu bloßen Illustrationen von Sprechblasen, bedauert der Rezensent.

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