Daniel Weidner

Bibel und Literatur um 1800

Habil.
Cover: Bibel und Literatur um 1800
Wilhelm Fink Verlag, München 2011
ISBN 9783770550005
Kartoniert, 400 Seiten, 54,00 EUR

Klappentext

Die Geschichte der Philologie war immer auch eine Geschichte des Lesens heiliger Texte. Dass auch die Moderne nicht notwendig mit dieser Herkunft bricht, zeigen die vielfältigen Beziehungen zwischen Literatur, Philologie und Bibelexegese in der epistemologischen Schlüsselepoche um 1800. Wenn Novalis 1798 an Friedrich Schlegel schreibt, eine "Theorie der Bibel" würde eigentlich einer "Theorie der Schriftstellerei oder der Wordbildnerei überhaupt" entsprechen, so ruft das nicht nur einen traditionellen topos auf, sondern bezieht sich auch auf höchst aktuelle zeitgenössische Debatten. Denn die sich im Laufe des 18. Jahrhunderts ausbildende historische und philologische Kritik der Bibel erlaubt es nicht nur, das Buch der Bücher neu zu lesen, sondern verändert auch das Verständnis des Lesens und der Literatur überhaupt. Immer wenn um 1800 über Semiotik und Übersetzungstheorie, Rhetorik und Philologie, Poetik und Hermeneutik verhandelt wird, geschieht das auch mit Seitenblick auf die Bibel und ihre Lesbarkeit. Weidners Studie untersucht die literarischen und kritischen Diskurse um und über die Bibel, die für die Geschichte der Literaturwissenschaft von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.10.2011

Dass die Auseinandersetzungen von Literaten mit der Bibel um 1800 bei aller Diversität der Resultate meist als Säkularisierungsprozesse gedeutet werden, ist für den Rezensenten Thomas Meyer ein alter Hut. Aber darauf wolle Daniel Weidners "Bibel und Literatur um 1800" gottlob nicht hinaus, meint der erleichterte Rezensent. Was Weidners Studie vor zahlreichen theorielastigen Behandlungen des Themas in erfrischender Weise auszeichne, sei paradoxerweise seine philologische Verstaubtheit. Denn zunächst einmal sichte Weidner eine große Menge Quellenmaterials (Bibeleditionen, Fälschungserzählungen, Übersetzungsdiskurse) und erweise sich dabei als erstaunlich resistent gegenüber kulturwissenschaftlichen "Moden und anderen methodischen Heilsversprechen". Im Ergebnis unterbreitet Weidner "einen klugen und souveränen Ordnungsvorschlag" für den um 1800 tobenden Kampf um Wahrheitsfragen, urteilt Meyer. Und auch wenn der Rezensent letztlich nicht viel Neues gelernt hat, entfaltet das Altbekannte für ihn nach der Lektüre Weidners doch "eine ganz neue Evidenz und Eindringlichkeit".

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