Aus dem Russischen von Jekatherina Lebedewa. Sofort nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion im Juli 1941 meldete sich Daniil Granin als Kriegsfreiwilliger. Unerfahren und unbewaffnet wurde er "in den Fleischwolf" des Krieges geworfen. Aus der Perspektive des jungen Leutnants D. und aus heutiger Sicht hinterfragt Granin die Wahrheiten der Vergangenheit und der Gegenwart. Unbewältigte Kriegstraumata, unsinnige Menschenopfer und Verluste, die Opferung ganzer Armeen aus ideologischen Gründen, aber auch die tragische Heimkehr traumatisierter Kriegsveteranen, die mit ihren physischen und psychischen Schäden allein gelassen wurden, mit all diesen lange verschwiegenen Seiten des Krieges setzt sich Granin in diesem Roman auseinander.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2015
Daniil Granin ist sechsundneunzig Jahre alt und einer der letzten lebenden Veteranen der Leningrader Blockade, berichtet Sabine Berking. In seinem Buch "Mein Leutnant" erzählt er vom Krieg und vom Leben in Stalins Sowjetunion, von den Hoffnungen des jungen Leutnant D. und ihrer späteren Enttäuschung, auf die der alte Erzähler zurückblickt, fasst die Rezensentin zusammen. Es geht Granin darum, für die Nachgeborenen die Gräuel dieses Krieges zu dokumentieren, in dem das Sterben kein Zufall, sondern das Überleben, und in dem auch die sowjetische Führung durch die Beseitigung der erfahrenen militärischen Führung und der darauffolgenden Desorganisation dazu beitrug, dass auf der eigenen Seite so zahlreich gestorben wurde, so Berking.
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