Aus dem Englischen von Stephan Gebauer, Thorsten Schmidt. Die verbesserte Landwirtschaft im Mittelalter, später die industrielle Revolution und heute die künstliche Intelligenz - im Laufe der Geschichte wurde der technologische Wandel stets als Haupttriebkraft für das Gemeinwohl angesehen. Doch die Fortschrittsgewinne fallen nur wenigen zu, und die Technologie ist von den Zielen und Obsessionen der Mächtigen geprägt. Sie verhilft ihnen zu noch mehr Reichtum, sozialem Ansehen und Einfluss.Wie kann echter Fortschritt, wie kann gerechtere Innovation gelingen? Daron Acemoglu und Simon Johnson haben die Antworten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2023
Der Kapitalismus wird überschätzt, muss Markus Schär bei der Lektüre dieses viel gelobten Bestsellers feststellen. Deren Autoren, betont er zunächst, lehren an den vornehmsten Instituten der Ivy League, einer der beiden war sogar Chefökonom für den Internationalen Währungsfonds. Sie machen sich auf den tausend Seiten ihres Bandes die Mühe nachzuweisen, dass der Fortschritt längst nicht so gut war wie behauptet, im Gegenteil: Er habe viele Menschen ins Elend gestürzt. Jene Maschinen etwa, die den Baumwollanbau in den amerikanischen Südstaaten erlaubten, machten etwa auch die millionenfache Sklaverei möglich, referiert Schär. Aktueller Fortschritt wie die Künstliche Intelligenz droht nun weitere Massen, diesmal aus dem Mittelstand, in die Armut zu stürzen, warnen die Autoren laut Rezensent. Am Ende muss er feststellen, dass selbst so hochdekorierte Ökonomen wie die Autoren des Bandes ratlos bleiben können: Ein wirkliches Rezept gegen die Tücken des Fortschritts liefern sie ihm nicht. Erwartungsgemäß raten sie zwar, die Macht der Konzerne zu brechen, lassen aber eine Gebrauchsanweisung vermissen. Und die Zivilgesellschaft könne helfen. Bis dahin aber hatte Schär, so scheint es, eine lohnende Lektüre.
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