Das Küchentuch

Ansichten zu einem Alltagsgegenstand
Cover: Das Küchentuch
Scheidegger und Spiess Verlag, Zürich 2025
ISBN 9783039422807
Kartoniert, 304 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Basil Linder, Vera Roggli und Eva Wolf. Der Geschirrspüler hat dem guten alten Küchentuch einiges an praktischer Bedeutung geraubt. Dennoch bleibt dieses in vielen Haushalten gegenwärtig: handgewoben oder industriell produziert, fusselfrei oder saugfähig, schmutzig oder sauber, geerbt oder austauschbar. Als Textilie und Alltagsgegenstand steht das Küchentuch stellvertretend für viele gesellschaftlich relevante Themen wie unbezahlte Hausarbeit, Kolonialismus und Gleichberechtigung. Zudem weckt es vielfältige Assoziationen und ist Träger von Erinnerungen, Erlebnissen und Anekdoten. Lange Zeit waren speziell angefertigte Küchentücher ein Luxus und den oberen Klassen vorbehalten. Industrielle Massenproduktion hat das geändert und heute lassen sich zwei Entwicklungen feststellen: Während Küchentücher als Designobjekte in Museumsshops und Handwerksläden ausliegen, sind sie zugleich standardisierte Billigware. In "Das Küchentuch. Ansichten zu einem Alltagsgegenstand" treten dreizehn Autoren, Künstler und Designer in Dialog mit dem Objekt und untersuchen es journalistisch, künstlerisch, kulturgeschichtlich und technisch. Die Beiträge ergänzen sich und bringen neue Bezüge hervor. In Text und Bild regt das Buch dazu an das Küchentuch neu zu entdecken, als sinnliches Objekt, das weit mehr in sich trägt als ein Gebrauchsgegenstand.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 20.12.2025

Mal mehr, mal weniger inspiriert schmökert Rezensent Paul Stäner in diesem von Basil Linder, Vera Roggli und Eva Wolf herausgegebenen Band, der sich mit einem vermeintlich banalen Alltagsgegenstand, nämlich dem Küchentuch, beschäftigt. Legion sind die Perspektiven, lernt Stäner, aus denen man Küchentücher betrachten kann, versammelt sind hier Beiträge von Designern, Archivaren, Künstlern und anderen. Stäner geht näher auf einen Betrag ein, der, vom Tuch ausgehend, mit assoziativen Überlegungen zu "Verwicklung, Verstrickung, Vergebung" beginnt und schließlich bei einer Kolonialgeschichte des Küchentuchs sowie beim Sklavenhandel landet. Nicht allzu viel hält Stäner von einem hier abgedruckten minimalistischen Küchentuchgedicht, auch ein Küchentuchgespräch, das eine Autorin mit ihrer Großmutter führt, ödet ihn eher an. Sehr gut gefällt ihm hingegen eine Bildserie zu Küchentuchmustern. Insgesamt beschreibt Ständer den Band als eine postmoderne Unternehmung, die versucht, eine literarische Entsprechung zu finden für die Webungen des Küchentuchs. Auch wenn der Autor nicht rundum glücklich mit dem Ergebnis wird, scheint er mit einer solchen Unternehmung grundsätzlich zu sympathisieren.

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