Aus dem neuseeländischen Englisch von Gregor Hens. Der dreizehnjährige Harry lebt mit seinem Vater und dem kleinen Bruder am Rande der Welt in Calliope Bay, er vermisst seine Mutter, die in die Stadt gezogen ist, vielleicht nur für den Sommer, vielleicht für länger. Und während Harry darauf wartet, dass sie zurückkommt, streunt er mit seinen Freunden die steile Küste entlang und erforscht die Ruine der längst verlassenen Fleischfabrik. Im vom Meer heraufwehenden Wind meint Harry die Schreie der Tiere zu hören, die vor langer Zeit dort geschlachtet wurden. Als seine schöne ältere Cousine Caroline ankommt, ist Harry hin- und hergerissen zwischen Kinderspielen und dem Wunsch, sie vor der Zudringlichkeit von Wiggins, dem Fleischer, zu schützen. Mit schrecklichen Konsequenzen. Ein neuseeländischer Klassiker, eine Coming-of-Age Geschichte und eine Familientragödie.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.02.2013
Eher bewundernd als begeistert liest Jürgen Brocan diesen bereits 1968 erschienenen Roman von David Ballantyne, das liegt an den beklemmenden Schlachthausfantasien des Erzählers. Dass das Buch den Rang eines Klassikers der neuseeländischen Literatur verdient, findet Brocan allerdings schon deshalb, weil ihm die Geschichte um allerhand unheilvolle Vorkommnisse in dem kleinen Küstenort Calliope Bay die metaphysische Dimension der Finsternis der Seele vermittelt, konsequent, unbarmherzig und sehr raffiniert, wie Brocan findet. Dabei fängt alles recht märchenhaft an. Der 13-jährige Erzähler allerdings macht Brocan schnell misstrauisch und scheint ihm ein eher unzuverlässiger, merkwürdig gefühlloser Chronist der Ereignisse zu sein. Und bald, so gibt uns Brocan warnend zu verstehen, gesellt sich zur bloß physischen Gewalt die Gewalt des Rätsels.
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