Die Beschneidung von Männern und Frauen ist das älteste Rätsel in der Geschichte der Chirurgie. Doch schon vor Jahrtausenden, lange bevor Medizin und Religion sich in getrennten Bahnen entwickelten, war die Beschneidung eine Art von symbolischer Wunde. Damit wurde sie zu einem Ritual, das außergewöhnliche Macht implizierte. Durch die Jahrhunderte hindurch blieben das Ritual des Eingriffs und die religiöse Bedeutung immer hinter einem Schleier verborgen. David Gollaher lüftet in seinem kulturübergreifenden Buch diesen Schleier und zeigt die Herkunft und die Hintergründe des rätselhaften Rituals.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.02.2003
Für Sabine Fröhlich ist dieser Geschichte der Beschneidung gelungen, was ihr amerikanischer Autor sich vorgenommen hat, nämlich das "Vertraute fremd erscheinen zu lassen". Der Mediziner und Historiker könne zeigen, dass insbesondere die männliche Beschneidung in der modernen amerikanischen Medizin mit gesundheitlichen oder hygienischen Gründen nicht zu rechtfertigen sei, sondern vielmehr von "kulturellen und (sexual)moralischen Vorstellungen" beeinflusst werde, fasst die Rezensentin zusammen. Sie charakterisiert Gollaher als "skeptischen Diskursbeobachter", der die Gründe sowohl der Beschneidungsgegner als auch ihrer Befürworter darstellt. Und auch wenn er aus seiner Sympathie für die Gegner der Zirkumzision keinen Hehl macht, spart er sich jegliches "moralisches Pathos", lobt Fröhlich.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.12.2002
Sander L. Gilman begibt sich bei seiner Besprechung des Buches über die Geschichte der männlichen Beschneidung sofort tief in die Debatte um diesen chirurgischen Eingriff. Aus medizinischer Sicht, stellt der Rezensent klar, ist der Nutzen der Beschneidung zumindest fragwürdig und zudem wenig erforscht. Er erklärt, dass die Geschichte der Circumcision anhand drei miteinander verknüpfter Erzählstränge geschrieben werden muss, wie es der Autor in seiner Studie auch vornimmt. Denn nur, wenn man die religiöse Geschichte der Beschneidung bei Juden, Christen und Muslimen, die Geschichte der Beschneidungsrituale und die Geschichte der medizinisch begründeten Beschneidung in ihrer Verknüpfung betrachtet, kommt man den Hintergründen auf die Spur, meint Gilman. Als "problematisch" beurteilt er es deshalb, dass der amerikanischen Autor diese drei Themen zwar darstellt, sie allerdings zu sehr voneinander "getrennt hält". Am Ende schlägt der Rezensent vor, eine "breit angelegte Langzeitstudie" zur Erforschung des medizinischen Nutzens der Beschneidung zu initiieren. Dies aber werde von Gollaher selbst nicht angestrebt, weil er als entschiedener Gegner jeglicher Form von Beschneidung die "Notwendigkeit" nicht einsehe, so Gilman abschließend.
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