Warschau 1968. Studenten protestieren gegen die polnische Staats- und Parteiführung. Sie treten nicht für die Abschaffung des Sozialismus, sondern für die Verwirklichung seiner Versprechen ein. Viele der jungen Oppositionellen, darunter Irena Grudzińska, Adam Michnik und Jan T. Gross, kommen aus jüdischen Familien. Die wenigsten von ihnen identifizieren sich jedoch mit dem Judentum, sie verstehen sich als polnische Patrioten und als Kommunisten. Dennoch verschafft sich ihre Herkunft in ihrem Protest verschlüsselt Geltung. David Kowalski untersucht in seiner Studie die Bedeutung dieser Zugehörigkeit für die frühe Oppositionsbewegung. Hierfür geht er in die Zwischenkriegszeit zurück und beleuchtet den Erfahrungshintergrund der Elterngeneration der Dissidenten von 1968. Er fragt nach den Nachwirkungen des Holocaust und zeigt die Verschränkung von Herkunft, kommunistischer Hoffnung und sozialistischen Enttäuschungen auf.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2018
Sofia Dreisbach erfährt vom Historiker David Kowalski Wissenswertes über ein wenig bekanntes Kapitel der polnischen Geschichte. Dass der Autor die Geschichte jüdischer Oppositioneller in Polen 1968/69 aufgrund von persönlichem Interesse und von Zeitzeugengesprächen unter anderem mit Adam Michnik untersucht, hält sie für einen Gewinn. Die achronologische Schilderung der Ereignisse von Michniks Gerichtsprozess bis zur Gründung des "Klubs der Widerspruchsuchenden" hält für die Rezensentin Überraschungen bereit. Vor allem aber zeigt sie sich fasziniert von Kowalskis Begründung der Tatsache, dass so viele der Oppositionellen Juden waren. Hier schließt der Autor für sie eine Lücke zwischen den Forschungsfeldern Oppositionsbewegung und jüdische Geschichte Polens.
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