"Das ganze Land soll 'umgekrempelt' werden" − Mit diesen Worten betitelte die Tageszeitung "Die Welt" im Mai 1968 die Pläne zum Gutachten der Sachverständigenkommission des Landes Nordrhein-Westfalen. Wie sich nur wenige Jahre nach Abschluss der Gebietsreform im Jahre 1975 herausstellte, veränderte sich in der Tat die kommunale Landkarte durch die Zusammenlegung von Städten und Gemeinden von Grund auf. Ausgehend von den Ursachen und Motiven der Reform, welche insbesondere auf eine Leistungsfähigkeit der Verwaltung abzielten, stellt der Autor systematisch den Reformprozess in 'umgekrempelten' Kommunen anhand von sechs Fallbeispielen aus der Region Ostwestfalen-Lippe dar. Hatte dabei die örtliche Politik sowie die Bevölkerung ein Mitspracherecht oder wurde die Reform im Düsseldorfer Landtag 'von oben' entschieden? Kritisch hinterfragt der Autor zudem die Auswirkungen der Reform, etwa inwieweit heute bei der Bevölkerung eine neue Identität in den neu gegründeten Kommunen entstanden ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2023
Rezensent Reiner Burger liest David Merschjohanns Regionalstudie über die kommunale Gebietsreform in Ostwestfalen-Lippe mit Gewinn. Merschjohanns Arbeit mit den Fall-Kommunen Höxter, Detmold, Hille, Preußisch Oldendorf, Paderborn und Warburg eröffnet Burger Einsichten in die Zusammenhänge kommunaler Selbstverwaltung und politischer Partizipation. Wenn der Autor mit Bourdieu die Bedeutung politischer Perönlichkeiten in den Kommunen erörtert, staunt Burger über die Modernität und Multiperspektivität der Studie.
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