Aus dem Amerikanischen von Karin Wördemann. Über die Verbindung religiöser und rassistischer Diskriminierung. Das Konzept unterschiedlicher menschlicher "Rassen" sowie daraus resultierender Rassismus werden häufig als Erscheinungen der Moderne angesehen, die biologisches Wissen und biopolitisches Denken voraussetzten. Doch die Diskriminierung und Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer biologischen Herkunft ist weitaus älter und lässt sich mindestens bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Wie lässt sich die lange Geschichte dieser kulturellen Grenzziehungen verstehen, und was lässt sich daraus für die heutigen Erscheinungsformen des modernen Rassismus lernen?Als Experte für die Geschichte jüdischer, christlicher und islamischer Kulturen verschränkt David Nirenberg in diesem Essay die Betrachtung von biologisch geprägter Diskriminierung und Verfolgung mit der religiösen Diskriminierung von Menschen. Am Beispiel der kastilischen Christen im 14. und 15. Jahrhundert sowie der muslimischen Almohaden in Nordafrika im 11. und 12. Jahrhundert zeigt er, wie unterschiedliche religiöse Kulturen Konzepte hervorbrachten, die bemerkenswerte Ähnlichkeiten zu moderner rassistischer Diskriminierung aufwiesen. Damit fragt er letztlich nach der Geschichte einer Verbindung von kulturellen Konzepten der Ähnlichkeit und Differenz mit Ideen der biologischen Reproduktion.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2024
Rezensent Frank Rexroth lässt sich vom Historiker David Nirenberg zeigen, an welchem Punkt in der Jungsteinzeit landwirtschaftliches Zuchtwissen und Religion sich kreuzen. Mit dem Hinweis auf tiermedizinische Traktate in Spanien um 1400, aus denen der Begriff "Rasse" auf Juden und Muslime übertragen wurde, zeigt der Autor laut Rexroth, dass der Schnittpunkt von Rasse und Religion als Potential in den drei großen monotheistischen Religionen nachweisbar ist und von dort in die "biotheologischen Systeme" gelangte.
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