Aus dem Amerikanischen von Miriam Mandelkow. Gary und Irene wollen sich ein letztes Mal zusammenraufen, ihre verkorkste Ehe retten, nicht jeder für sich zugrunde gehen. Gary hatte einst einen Traum: Sie lebten in einer einfachen Holzhütte auf Caribou Island, einer kleinen Insel vor Alaska, sie waren glücklich, die Schrecken der Vergangenheit hatten sie hinter sich gelassen. Während eines Unwetters machen sie sich auf den Weg. Schon kurz nach ihrer Ankunft packt Irene die Angst. Sie sind schlecht vorbereitet, um sie herum ragt die Wildnis, gewaltig, unbarmherzig und von undurchdringlicher Schönheit. Als der Winter kommt, treibt die Einsamkeit der Insel das Paar immer weiter auseinander, Beklemmung stürzt um in Wut. Auch ihre Tochter Rhoda, die mit ihrem eigenen Leben, ihrer eigenen Beziehung alle Hände voll zu tun hat, vermag die beiden nicht zu beruhigen. Hingebungsvoll, aber hilflos muss sie vom Festland aus zusehen, wie ihre Eltern sich langsam, aber sicher zerfleischen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2012
Nach der Lektüre von "Die Unermesslichkeit" weiß Rezensentin Felicitas von Lovenberg einmal mehr: David Vann ist einer der großen Tragödiendichter unserer Zeit. Gleich vier existentielle Beziehungskämpfe von griechischem Ausmaß liest die Kritikerin in diesem Roman, in dessen Mittelpunkt das Ende der dreißigjährigen Ehe von Irene und Gary steht. In der Einsamkeit Alaskas geht Gary beim Bau einer Seehütte rücksichtslos seinen Selbstverwirklichungsträumen nach, während seine an Kopfschmerzen und Verlustängsten leidende Frau sich immer panischer der Vorstellung von dem nahenden Verlassenwerden hingibt. Bis zum erschütternden und gewaltigen Finale folgt Lovenberg ganz mitgerissen Vanns prägnanten Sätzen, die ihr wie "geschliffene Kiesel" erscheinen und bewundert insbesondere die zeitlosen und herausragenden Naturschilderungen, die stets das Unbewusste und die Konflikte von Vanns Protagonisten widerspiegeln. Gewohnt vorbildlich ist auch Miriam Mandelkows Übersetzung, so die eingenommene Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.04.2012
Schwer beeindruckt ist Meike Fessmann von David Vanns Roman über das Scheitern einer Ehe und die Schrecken der Kleinfamilie. Das Bild, das "Die Unermesslichkeit" von Ehe und Familie zeichnet, erscheint ihr ziemlich hoffnungslos: der Traum eines Ehepaars Mitte fünfzig, in der Wildnis eine Blickhütte zu bauen, wird zur Ehehölle, in der sich Mann und Frau gegenseitig zerfleischen. Fessmann würdigt die Fähigkeit des Autors, familiäre Konflikte schicksalhaft zu überhöhen und ihnen damit eine Dringlichkeit zu verleihen, die im Alltag oft nicht sichtbar ist. Der Roman entwickelt für sie eine geradezu sogartige Wirkung. Dies liegt in ihren Augen nicht allein an der spannende Handlung, sondern auch an der "Plastizität", mit der Vann "Stimmungen und Gedanken" darstellt.
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