Aus dem amerikanischen Englischen von Milena Adam und mit einem Vorwort von Volker Weidermann. Wir befinden uns im Fischerörtchen Kuinak, Alaska, und geografisch wie zeitlich am Ende der Welt. Das Wetter schlägt unerwartet und lebensbedrohlich von einem Extrem ins andere, der Lachs wird knapp, diverse Weltuntergangspriester verkünden: "Diesmal wirklich!", und auch sonst scheint sich in Kuinak eine Katastrophe nach der nächsten anzubahnen.Als eine Filmcrew aus Hollywood mit einer gigantischen Luxusyacht im Hafen aufkreuzt und Kuinak in eine Filmkulisse verwandeln will, wird alles auf den Kopf gestellt. Schrullige Originale scharen sich um unsere beiden Helden: den abgehalfterten Ökoterroristen Ike Sallas, der sich nach seiner Haft nach Kuinak zurückgezogen hat, sowie Alice Carmody, eine der letzten Angehörigen vom Stamm der Kuinak, Unternehmerin und Künstlerin mit Hang zu cholerischen Anfällen.Ike und Alice werden mit Fragen nach ihrer Identität konfrontiert und kämpfen um die Hoheit über ihre eigene Geschichte sowie um einen Ort, an dem es sich zu leben lohnt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2025
Nach mehr als dreißig Jahren kann Rezensentin Katharina Teutsch den letzten Roman von Ken Kesey auch auf Deutsch entdecken: Und in dieser "gigantischen Babuschka" passiert erzählerisch eine ganze Menge. Die Handlung spielt in Alaska, erfahren wir, in dem Dorf leben die skurrilsten Gestalten von Goldsucher-Nachfahren über Indigene bis Bowling-Bahn-Betreiber, nun soll dort ein indigenes Kinderbuch verfilmt werden, das aber gar nicht von indigenen Menschen geschrieben wurde. Teutsch freut sich an dem "weiblichen Rumpelstilzchen", Alice Carmody, das im Roman sein Unwesen treibt, aber auch an der filmreifen Absurdität der Handlung, die nur am Ende fast etwas zu schnell vorbeizieht.
Dieses Buch ist "großes Kino, aber eines der ironischen und nicht der pathetischen Sorte" resümiert Rezensent Tobias Lehmkuhl sichtlich angetan Ken Keseys schon 1992 erschienenes Buch. Der Roman spielt in der fiktiven Stadt Kuinak in Alaska und eröffnet mit dem Eintreffen eines Segelschiffs, an Bord dessen sich der an Burnout leidende Ike Sallas befindet. Kesey entwickle zudem eine Reihe "kurioser und verschrobener Figuren" an denen sich erkennen lasse, dass Kesey zehn Jahre an seinem Roman schrieb und die Charaktere "liebevoll" erarbeitete. Besonders positiv hebt Lehmkuhl zudem Keseys "intensive Recherche" in Alaska selbst hervor, die ihm zur Entwicklung seiner fiktiven Stadt verhalf. Mit dem Eintreffen einer Filmcrew zum Verfilmen eines Kinderbuches geht es der Authentizität des Ortes zunächst an den Kragen, denn nun soll der Ort zu einer Art Vergnügungspark und "Kulissenstadt" für Touristen werden. Als ein "frühes Werk der Climate fiction" thematisiere der Roman die Umweltverschmutzung durch den Menschen. Am Ende verwandelt sich die düstere Vision einer von der Moderne zerstörten Welt in die Utopie einer Natur, die den Menschen nicht vernichtet, sondern ihn am weiteren Raubbau hindert. Zurück bleibt Keseys "ur-amerikanische Zuversicht", dass sich selbst im Verfall noch ein Rest von Zukunft findet.
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