Herausgegeben von Otto D. Kulka, Eberhard Jäckel und anderen. Mit Fotos, Dokumenten und Faksimiles. Die Edition enthält die geheimen Berichte der NS-Überwachungsorgane über Aktivitäten und Organisationen der Juden in Deutschland sowie die Einstellung der nichtjüdischen Bevölkerung zu ihnen und zur Judenpolitik des Regimes. Die beigefügte CD-Rom enthält 3744 Dokumente; für die Drucklegung wurden davon 752 ausgewählt, die ein eindrückliches Bild dieses noch immer unfasslichen Kapitels der Geschichte vermitteln. Unter der monolithisch wirkenden Oberfläche des totalitären Regimes tritt ein differenzierteres Bild zu Tage, das jüdische Leben präsentiert sich trotz fortschreitender Ausgrenzung und Verfolgung in erstaunlicher Vielfalt. Die letzten Kapitel enthalten auch Berichte vom Ablauf der systematischen Deportationen der Juden, die einen überraschend hohen Grad an Informiertheit der Bevölkerung sowohl über das Schicksal der Deportierten als auch über den Mord an den europäischen Juden in den besetzten Gebieten Osteuropas offenbaren. Mit seinem ausführlichen Apparat kann das Werk über den Kreis der Fachhistoriker hinaus einem breiten Leserpublikum dienen und bietet für Studien zur Regional- und Lokalgeschichte reichhaltiges neues Material.
Der rezensierende Historiker Peter Longerich hält diesen Band mit Stimmungsberichten aus deutschen Behörden zur Reaktion der Bevölkerung auf den Holocaust für einen Beitrag zur Beantwortung der in der Forschung immer noch unbeantworteten Frage, was und wie viel die Deutschen von der Judenverfolgung gewusst und welche Haltung sie dazu eingenommen haben. Der Rezensent findet es gleichermaßen "beeindruckend wie beklemmend", wie die vorliegenden Dokumente die Judenverfolgung in Deutschland durch die "verschiedenen Organe von Partei und Staat" deutlich machen und damit eine "hervorragende" Ergänzung zu jüdischen Quellen bieten, wie er betont. Der Band versammelt circa ein Fünftel der zugänglichen Dokumente und ist durch einen "umfassenden, äußerst informativen und benutzerfreundlichen wissenschaftlichen Apparat" erschlossen, lobt Longerich. Allerdings weist er eindringlich darauf hin, dass bei der Auswertung der Quellen die "Entstehungsgeschichte" immer mitberücksichtigt werden muss; den ob in diesem Dokumenten, die ja stets die Perspektive des Regimes einnehmen, wirklich die "wahre Einstellung" der Bevölkerung zum Holocaust zum Ausdruck kommt, darf nach Einschätzung des Rezensenten eher bezweifelt werden. Er plädiert somit dafür, die "historische Bedeutung" der Stimmungsberichte als Bemühen der Behörden zu lesen, "Informationen und Einschätzungen auszutauschen" und "interne Machtkämpfe" unter dem Deckmäntelchen der "Volksstimmung" auszufechten.
Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Jana Hensel: Es war einmal ein Land In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes…