Peter Longerich

Der ungeschriebene Befehl

Hitler und der Weg zur 'Endlösung'
Cover: Der ungeschriebene Befehl
Piper Verlag, München 2001
ISBN 9783492042956
Gebunden, 192 Seiten, 50,62 EUR

Klappentext

Es habe keinen schriftlichen Befehl Hitlers - wie etwa im Fall der Euthanasie - zur Ermordung der Juden gegeben: Mit dieser Argumentation wird immer wieder versucht, den "Führer" reinzuwaschen und auch den Holocaust insgesamt zu verharmlosen: Als wissenschaftlicher Gutachter im Londoner Irving-Prozess hatte Peter Longerich den Nachweis zu führen, dass der millionenfache Mord direkt auf Hitler zurückzuführen ist. Zu einem Buch umgearbeitet liegt dieses Gutachten nun der Öffentlichkeit vor, in dem die einzigartige Rolle Hitlers bei diesem Menschheitsverbrechen herausgearbeitet wird. Er hat den Holocaust autorisiert und ihn gesteuert. Mit wissenschafltichen Quellen wird es damit unternommen, aus den Dokumenten heraus die Befehlskette nachzuweisen, die von Hitler nach Auschwitz führte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.03.2002

In dem Prozess des europäischen Gerichtshofs gegen den "notorischen Holocaust-Leugner" David Irving erbrachte erstmals eine Gruppe von renommierten Historikern den Beweis für den Holocaust, berichtet Michael Wildt. Das mag, meint der Rezensent, absurd erscheinen, doch so einfach war Hitler die Verantwortung für die Judenvernichtung nicht nachzuweisen. Peter Longerich hatte für das Gericht zwei Gutachten über die persönliche Mitschuld des Diktators erstellt, die er in dem vorliegenden Band veröffentlicht, informiert der Rezensent. An der Schuld Hitlers, der zwar weniger als Vollstrecker, denn als Initiator in Erscheinung trat, gibt es, so Wildt, keinen Zweifel. Auch wenn Longerichs Beweisführung "vergröbernd" ist - sein muss, denn das Gericht interessierte sich ausschließlich für die Schuld Hitlers -, hält der Rezensent diesen Band für einen wesentlichen Beitrag zum beweiskräftigen Widerspruch gegen alle Holocaust-Leugner. Denn Longerich hat, so Wildt, auf dem neuesten Stand der Forschung noch einmal alle wichtigen Dokumente und Argumente für den Beleg der Beteiligung Hitlers an der deutschen Judenvernichtung zusammengetragen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.11.2001

Longerichs Buch basiere, soTillmann Bendikowski, auf einem Gutachten anlässlich des Londoner Prozesses gegen David Irving. Daher rühre auch seine "nüchterne Form der Beschreibung". Der Historiker untersuche die konkrete Rolle Hitlers bei der Ermordung der europäischen Juden. Sein Ergebnis: Die "Urheberschaft und Verantwortung Adolf Hitlers (sei) in vollem Umfang nachweisbar." Longerichs zentrale These entspreche damit im wesentlichen der Sicht Ian Kershaws in dessen Hitler-Biografie: Die Täter hätten ihre Verbrechen durch die Autorität Hitlers legitimiert gesehen. Dessen Ziele seien bekannt, ein direkter Befehl daher nicht nötig gewesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.09.2001

Peter Longerichs Buch hat seine Wurzeln in den beiden Gutachten des Autors im Prozess gegen den Holocaust-Leugner David Irving. Über einen bloßen "Anti-Irving" geht das Buch jedoch hinaus, wie der Rezensent Frank Bajohr betont. Vielmehr unternehme Longerich den Versuch, den Holocaust in der Verbindung verstreuter Quellen als "komplexes Gesamtgeschehen" zu untersuchen. Hitler wird dabei als "maßgebender Exponent" der Vernichtungspolitik deutlich, jedoch nicht als "Alleinverantwortlicher". Bajohr stimmt dieser These zu, verweist auf neuere Forschungsliteratur, die zum selben Ergebnis kommt. Einige kritische Anmerkungen hat er aber schon: Zum einen ist das Buch, findet er, schlampig lektoriert. Außerdem mangle es Longerich an Kenntnis der einschlägigen "regionalhistorischen Forschung" - so dass er den Antisemitismus "von unten" nicht ausreichend in den Blick bekommt.

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