Aus dem Französischen von Ursel Schäfer. Der Staat als Garant von Sicherheit: Immer mehr Bürgerinnen und Bürger westlicher Demokratien teilen dieses Verständnis nicht mehr. Was ist der Grund dafür? Woher kommt die Wut vieler Menschen, die sich im Netz oder auf der Straße formiert? Im Zentrum von Pierre Rosanvallons neuem Buch stehen die Prüfungen des Lebens, persönliche Erfahrungen mit Geringschätzung, Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Ungewissheit. Er richtet den Blick dabei auf so unterschiedliche Bewegungen wie Black Lives Matter, #MeToo oder die "Gelbwesten" und befasst sich mit den Folgen der Verunsicherung durch den Klimawandel und die Covid-19-Pandemie. Rosanvallons Gegenwartsbeschreibung mündet in ein Plädoyer für eine "neue Regierungskunst", eine Politik des Respekts, der Würde und der Aufmerksamkeit für die erlebten Realitäten. Das sei die einzige Alternative zu den "Gefahren, die mit dem Populismus auf der einen Seite und dem Technoliberalismus und der Politik der Abschottung auf der anderen Seite verbunden sind". Dieses Buch eröffnet eine neue Etappe in der Arbeit des Demokratieforschers, die sich der subjektiven Dimension der Gesellschaft, einer Neudefinition der sozialen Frage und den Bedingungen für eine Konsolidierung des demokratischen Lebens widmet.
Rezensent Rudolf Walther hält es für lobenswert und richtig, dass Pierre Rosanvallon in seinem Buch die subjektive Dimension des Erlebens in seine soziologischen Überlegungen mit einbezieht und damit in die Fußstapfen E. P. Thompsons und seines Begriffs der "moralischen Ökonomie" trete. Denn grundlegend für das Zusammenleben von Menschen und trotzdem in der Soziologie vernachlässigt sei eben das nicht mit Zahlen messbare, konkrete subjektive Erleben von Missachtung, Ungerechtigkeit, Diskriminierung oder Unsicherheit, wie Walther bei Rosanvallon liest; und eine Vernachlässigung dieser Faktoren könne Menschen in die Politikverdrossenheit und in den Populismus treiben. Besonders interessant findet der Kritiker Rosanvallons Beobachtung, dass Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft mit Empörung begegnet wird, Ungleichheit hingegen noch weitgehend hingenommen werde. Dem muss nicht nur von wissenschaftlicher, sondern vor allem von staatlicher Seite entgegengewirkt werden, wie Walther dem Autor beipflichtet.
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