Wolfgang Reinhard

Die Unterwerfung der Welt

Globalgeschichte der europäischen Expansion 1415-2015
Cover: Die Unterwerfung der Welt
C.H. Beck Verlag, München 2016
ISBN 9783406687181
Gebunden, 1648 Seiten, 58,00 EUR

Klappentext

Sie kamen, sahen und eroberten - 600 Jahre lang haben Europäer die Welt erkundet, unterworfen und ausgebeutet. Doch zugleich haben sie zahllose Impulse für die Entstehung unserer heutigen Welt gegeben und empfangen. Denn die europäische Expansion war keine Einbahnstraße, sondern ein jahrhundertelanger Prozess der Interaktionen. In Wolfgang Reinhards Werk hat die Vorgeschichte der Globalisierung zu einer einzigartigen Gesamtdarstellung gefunden. Der Historiker beschreibt von den frühen Anfängen der europäischen Expansion in Antike und Mittelalter bis zu den langwierigen Dekolonisationen des 20. Jahrhunderts einen weltgeschichtlichen Vorgang von gewaltigen zeitlichen und räumlichen Dimensionen. Wolfgang Reinhard berichtet sowohl über die Handelssysteme in Asien als auch über die künstliche Welt der Plantagen mit ihren Sklaven, über ökologische Folgen oder konfliktträchtige politische Hinterlassenschaften der europäischen Expansion und das resultierende Buch ist nicht nur von dem Interesse an den Europäern, sondern auch an - den Andere geprägt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.08.2016

Micha Brumlik hat mit Wolfgang Reinhards nicht nur seitenstarker Monografie zur Geschichte des Kolonialismus ein neues Standardwerk anzukündigen, das seiner Meinung nach auf Jahre schwer einzuholen sein wird. Reinhard bietet eine genaue Darstellung historischer Sachverhalte, einen souveränen Stil und ein 390 Seiten umfassendes Literaturverzeichnis, lässt Brumlik uns wissen und folgt dem Autor bei seiner Definition Europas und seiner kolonialen Geschichte. Aber auch Amerikas und Afrikas Sklavenhandel lernt Brumlik hier in seiner ganzen Dimension kennen und erfährt vom Autor, dass der Sklavenhandel die Ursache des Rassismus war, nicht umgekehrt. Dass Reinhard die Untaten des Deutschen Reichs in Südwestafrika eher nur andeutet, irritiert Brumlik allerdings ein wenig. In Sachen "orientalische Frage", Zweiter Weltkrieg im Nahen Osten und Unabhängigkeit Indiens wieder überzeugt ihn der Autor auf ganzer Linie und scheint ihm ganze Monorafien zu ersetzen. Reinhards bilanzierende Kritk des postkolonialen Denkens kann Brumlik angesichts der brillanten Argumentation des Autors nicht einfach als eurozentrisch oder gar rassistisch abtun.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.07.2016

Rezensent Gustav Seibt fordert eine Taschenbuchausgabe von Wolfgang Reinhards gründlich revidiertem Standardwerk, damit auch der letzte Nachrichtenjunkie beim Anblick der Flüchtlingsströme die Zusammenhänge und Vorgeschichten versteht. Dass der Autor alle Schuld am Elend der Welt dem Gold und dem Kreditwesen in die Schuhe schiebt, ficht Seibt nicht an. Die Geschichte der europäischen Expansion erzählt ihm der Autor derart quellen- und wissensreich und buchstäblich grenzenlos, dass der Rezensent nur staunen kann. Atemlos von Reinhard durch die Weltteile und Epochen geführt, lernt Seibt übrigens auch, dass die Welteroberung ebenso mit dem Schwert wie mit dem Schwanz erfolgte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.05.2016

Der Historiker Wolfgang Reinhard liefert mit "Die Unterwerfung der Welt" eine Geschichte der europäischen Expansion, die zwar nicht in jedem Fall auf das Wohlwollen der Spezialisten hoffen kann, aber eine beeindruckend umfassende Darstellung bietet, die, auch für Laien sehr lesbar, zukünftigen Diskussionen eine wichtige Grundlage bieten dürfte, glaubt Rezensent Andreas Eckert. Reinhard betont dabei besonders die Konflikte und Konkurrenzen im Zuge der Kolonialisierung, die ebenso oft "Europäer gegen Europäer" antreten ließ wie lokale Eliten gegeneinander und gegen die Besatzer, fasst der Rezensent zusammen. Einzig die Rückwirkung des Kolonialismus auf Europa selbst bleibt unterbelichtet, nicht zuletzt, erklärt Eckert, weil Reinhard neueren post-kolonialen Theorien aufgrund deren hermetischen Sprachgebrauchs sehr skeptisch begegnet. Wer die Lektüre der eintausendsechshundert Seiten auf sich nimmt, wird aber definitiv entlohnt, verspricht der Rezensent.

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