Churchill und die Deutschen
Eine besondere Beziehung

Piper Verlag, München 2024
ISBN
9783492072373
Gebunden, 320 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Winston Churchill, der Mann mit der ewigen Zigarre und dem Victory-V, ist der wohl bekannteste Unbekannte unserer Geschichte. Ohne ihn hätte Deutschland nicht vom Nationalsozialismus befreit werden können. Sein aufregendes Leben mit allen Licht- und Schattenseiten gilt es aber noch zu entdecken. Gestützt auf neue Archivfunde, erzählt Dietmar Pieper, wie stark Churchills Werdegang über Jahrzehnte von seinem Verhältnis zu Deutschland geprägt war. Und er analysiert, was wir heute, im Zeitalter aggressiver Autokraten wie Putin, von seiner harten Haltung gegenüber Hitler lernen können.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.04.2025
Ein hervorragendes Buch über Winston Churchill und dessen Verhältnis zu Deutschland legt Dietmar Pieper laut Rezensent Werner Vogt hier vor. Der Journalist zeichnet darin nach, weshalb Churchill, obwohl er offensichtlich eine wichtige Figur war, deren Handeln in der Verteidigung Großbritanniens gegen Nazideutschland entscheidend zur Freiheit Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg beigetragen hat, in Deutschland bei vielen nach wie vor einen schlechten Ruf genießt. Verantwortlich dafür sind die Bombardements deutscher Städte im Krieg, denen viele Zivilisten zum Opfer fielen und die, erläutert Vogt mit Pieper, keineswegs kriegsentscheidend waren - die Frage allerdings, ob es sich um Kriegsverbrechen handelte, lässt der Autor offen. Durchaus kommt Pieper auch darauf zu sprechen, fährt die Rezension fort, dass die ersten massiven Luftangriffe auf Zivilisten von deutscher Seite verübt wurden, was ein wichtiger Faktor war für die britische Resilienz. Auch einige eher skurrile Episoden schildert dieses auf umfassendem Quellenstudium beruhende Buch, weiß Vogt zu berichten, unter anderem geht es um Ribbentrops erfolglose Versuche, den Publizisten Churchill zu bestechen. Ein lehrreiches Buch, das sich dem wahren Churchill hinter den Legenden widmet, so das Fazit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2025
Rezensent Niklas Zimmermann ist im Großen und Ganzen angetan von diesem Buch Dietmar Piepers über das Verhältnis zwischen Winston Churchill und den Deutschen. Dieses leuchtet Pieper auf interessante Weise aus, anderem geht es auf frühe Reisen des Politikers nach Deutschland ein, der die deutsche Militär- und Sozialpolitik zu studieren wollte, oder auch auf Churchills Entscheidung, keinen Frieden mit Hitler zu suchen. Weiterhin entnimmt Zimmermann dem Buch, dass sich Churchill nicht von Moral und Ideologie beeinflussen ließ, und auch Piepers Blick auf Churchill ist angenehm wenig moralisierend, etwa wenn es um die Bewertung der britischen Luftangriffe auf deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg geht, die Pieper allerdings durchaus in die Nähe von Kriegsverbrechen rückt. Auch mit einigen Legenden räumt dieses Buch auf - berühmte Churchill-Zitate wie "no sports" als Motto für Langlebigkeit sind womöglich frei erfunden, erfährt Zimmermann. Insgesamt ein lesenswertes Buch über einen Politiker, der in Deutschland wohl auch weiterhin ambivalent bewertet werden wird, schließt die Rezension.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 09.09.2024
Kein rosiges Churchill-Bild zeichnet Dietmar Piepers Biografie laut Rezensent Marten Hahn. Churchill wird von dem Journalisten Pieper, erfahren wir, als Rassist, Alkoholiker und möglicherweise auch als Kriegsverbrecher dargestellt, ohne dass dabei seine Leistungen, zum Beispiel im Kampf gegen Hitler, unter den Tisch fallen. Pieper zufolge war, erläutert Hahn, das Verhältnis zu Deutschland prägend für Churchill, wobei der Politiker die Deutschen und ihre Reformen zunächst bewunderte, auch für Hitler fand er vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lobende Worte. Das materialreiche Buch liest sich zunächst etwas zäh, findet der Rezensent, aber sobald der Krieg näher rückt, verfliegt dieser Eindruck. Weiterhin beschäftigt sich der Rezensent mit Parallelen zum Ukrainekrieg. Die sind vorhanden, argumentiert Hahn mit Pieper angesichts er russischen Aggression, allerdings verwundert es ihn nicht, dass Wolodimir Selenskyj lieber mit Ghandi als mit dem Krieg letztlich als ein Spiel betrachtenden Churchill verglichen wird.