Zeit ihres Lebens
Roman

Ullstein Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783550203053
Gebunden, 224 Seiten, 22,99
EUR
Klappentext
"Als Frieda endlich um die letzte Ecke bog, stand an der Station, die dalag wie eine Rettungsinsel in den Fluten, ein ihr noch unbekannter Mann unter seinem großen schwarzen Schirm im Regen und blickte auf die Armbanduhr."Wir kennen Geschichten vom Anfang und Ende der Liebe. Aber wer erzählte je vom Dazwischen? Zeit ihres Lebens ist die ganze Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe zweier normaler Menschen, der alleinstehenden Grundschullehrerin Frieda und des verheirateten Handelsvertreters Georg: Vom Moment ihrer ersten Begegnung über die Jahrzehnte, in denen sie ihre Liebe im Geheimen leben, voller Sehnsucht, Zweifel, Erschöpfung und Erfüllung, begleiten wir sie bis zu jenem Tag, an dem sie sich ein letztes Mal sehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.12.2025
Rezensent Tobias Haberl ist vollends begeistert von diesem geheimnisvoll-alltäglichen Liebesroman. Er erzählt von der aufblühenden Affäre zwischen dem seit zwölf Jahren verheirateten Georg, einem Vertreter für medizinische Geräte, und der alleinstehenden Deutsch- und Musiklehrerin Frieda, die sich eines Morgens zufällig an einer Straßenbahnhaltestelle begegnen. Auch wenn viel Zeit bis zum nächsten Wiedersehen vergeht, bleibt die Sehnsucht so stark, dass beide beschließen, sich vier Mal im Jahr zu sehen, immer dann, wenn Georg dienstlich verreisen muss, fasst Haberl zusammen. Die Eleganz dieser klischeebefreiten und ruhigen Sprache erinnert den Kritiker zuweilen an die Texte des bundesrepublikanischen Sehnsuchts-Seismographen Wilhelm Genazino. In diskreten Andeutungen wechselt die Perspektive, neben eingeschobenen Kindheitsepisoden, zwischen Georg und Frieda und findet dabei fein beobachtete Szenen sowohl für Georgs eingeschlafenes Eheleben als auch für Friedas einsame Routinen, freut sich Haberl. Er sieht hierin einen stillen Text über die "Erscheinungsformen der Liebe", dessen Ende ihn bewegt zurücklässt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 08.08.2025
Wenngleich Meike Feßmann nicht viel gewonnen hat aus der Lektüre von Dirk Gieselmanns "Zeit ihres Lebens", so hat dieses Buch die Rezensentin doch immerhin zu ein paar durchaus brauchbaren Reflexionen über das Wesen des Kitsches geführt sowie ein paar originellen Formulierungen und einem hübschen Aphorismus: "Kitsch ist erpresstes Gefühl", erklärt die Rezensentin, und genau das tut Gieselmann mit seinem zweiten Roman, einem "Katalog der Second-Hand-Empfindungen" - Gefühle erpressen, meint sie. In einer ausladenden, schwerfälligen Sprache, voller unfreiwillig ulkiger Metaphern, erzählt der Autor die gar nicht mal so gute alte Geschichte von der wahren Liebe, die zwar spät, aber besser als nie gekommen ist, um zu bleiben. Das Besondere einer Liebe inmitten einander ähnelnden Liebesgeschichten wollte Gieselmann hier wohl entdecken, wie sich im Text andeutet. Feßmann jedoch entdeckt darin leider nicht viel, außer Klischees und Plattitüden.