Dora Horvath

Bitte recht weiblich

Frauenleitbilder in der deutschen Zeitschrift Brigitte
Cover: Bitte recht weiblich
Chronos Verlag, Zürich 2000
ISBN 9783905313628
Gebunden, 362 Seiten, 32,72 EUR

Klappentext

Was ist eigentlich eine moderne Frau? Wie verändern sich Frauenleitbilder im Zuge der Nachkriegsentwicklung? Die Frauenzeitschrift "Brigitte" ist eine aufschlussreiche Quelle, um diesen Fragen nachzuspüren. Eingebettet in eine Theorie des sozialen Wandels, untersucht die Studie anhand von Modefotografien sowie Texten zu Liebe und Partnerschaft, welche Deutungen von Weiblichkeit die Zeitschrift ihren Leserinnen vermittelt. Die glückstrahlende Hausfrau ist bis zum Ende der 60er Jahre die moderne Frau schlechthin. Bis zur ersten Hälfte der 60er Jahre steht "Brigitte" der Wachstums- und Fortschrittsgesellschaft mit der ihr zugrunde liegenden Geschlechterordnung ungebrochen positiv gegenüber. Erst in den 70er Jahren macht sich auch hier eine vielschichtige Skepsis breit.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.03.2001

Es ist doch immer wieder dasselbe! Zwar lässt uns Sabine Vogel nicht wissen, ob es sich bei "Bitte recht weiblich!" um eine Dissertation handelt, aber solches ist fast anzunehmen, wenn sie schreibt, die Autorin möge sich doch bitte "ihre Quelle als Vorbild nehmen" - was die Lesbarkeit angeht, nicht die Inhalte, die Horvath nachvollziehbar, aber in schlecht lesbarem Deutsch analysiert habe. Vogel bemängelt "endlose Fußnoten", in denen wichtige Informationen versteckt seien; die unpräzise Floskelhaftigkeit der wissenschaftlichen Sprache, die "mehr behauptet als belegt". Dennoch findet Vogel die Untersuchung des gewandelten Frauenleitbildes äußerst "verdienstvoll" - von der Mutter- und Gattinnenrolle der 50er Jahre über die feministisch angehauchte Zeit der 70er bis hin zum Leitbild der berufstätigen Frau heute. Auch an den Modestrecken, so Vogel, lasse sich diese Wandlung ablesen: vom Modediktat zum Nebeneinander verschiedenster Stilrichtungen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2000

Der Titel dieser Schweizer Dissertation "Bitte recht weiblich!" verweist laut Birgit Weidinger etwas ironisch auf das "Chamäleonhafte" des Weiblichkeitsbegriffs, den die deutsche Frauenzeitschrift über die Jahre 1949 bis 1982 durchgespielt hat: die Frau sollte alles verkörpern, mal die züchtige Hausfrau, mal den Vamp, mal die erfolgreiche Karrierefrau, mal die konsequente Aussteigerin. Allerdings ist "Brigitte" erst ab den 70er Jahren daran gegangen, ein komplexeres Bild von moderner Weiblichkeit zu entwerfen, in das auch Emanzipationsstrategien Einzug gehalten haben, berichtet Weidinger. Aus diesem Grunde klaffen ab diesem Zeitpunkt auch der redaktionelle und der Modeteil der "Brigitte" auseinander, so Weidinger: während in der Modestrecke erfolgreiches weibliches Handeln nach wie vor über Sexualität definiert wird, hat sich der inhaltliche Teil von biologistischen Zuschreibungen gelöst. Gerade diese Doppelstrategie, vermutet die Rezensentin unabhängig vom Buch, sei wiederum Bestandteil des wirtschaftlichen Erfolgs von Frauenzeitschriften wie "Brigitte".

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