Doug Saunders

Arrival City

Über alle Grenzen hinweg ziehen Millionen Menschen vom Land in die Städte. Von ihnen hängt unsere Zukunft ab
Cover: Arrival City
Karl Blessing Verlag, München 2011
ISBN 9783896673923
Gebunden, 576 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Werner Roller. Ein Drittel der Weltbevölkerung zieht - über Provinzen, Länder, Kontinente hinweg - vom Land in die Städte. In unserer Zeit leben zum ersten Mal mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Die These, dass diese radikale, unumkehrbare Entwicklung eine positive ist - sowohl für die Migranten als auch für die Städte, in denen sie ankommen -, setzt Saunders' Buch von gern beschworenen Untergangsszenarien ab. Ob Migration funktioniert oder nicht, hat wenig mit kulturellen Klüften oder religiösen Gegensätzen zu tun. Die Ziele der Neuankömmlinge sind - egal aus welchem Land sie stammen oder in welche Stadt sie gehen - die gleichen. Doch ob sie Arbeit finden, soziale Netzwerke aufbauen, ihren Kindern Schulbildung und eine Zukunft ermöglichen können, hängt stark davon ab, ob die Stadt auf sie vorbereitet ist.
Drei Jahre lang hat Saunders in Berlin-Kreuzberg, im Londoner East End und den Banlieues von Paris, in den Favelas von Rio de Janeiro und den Barrios in Los Angeles mit Menschen über ihre Lebenspläne und -wirklichkeiten gesprochen. Über zwanzig solcher Viertel, Rand- und Außenbezirke, diese Orte der Ankunft - Arrival Citys -, porträtiert Saunders in seinem Buch. Sein Fazit: Scheitert die Arrival City, wird sie zum sozialen Brennpunkt, zur Brutstätte von Kriminalität und hybridem Extremismus, zum Elendsviertel. Blüht sie auf, wird die Arrival City zur Geburtsstätte der neuen Mittelschicht, der stabilen Wirtschaft und des sozialen Friedens einer Stadt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.12.2011

Wolfgang Uchatius hat aus Doug Saunders Bericht aus zwanzig Slums der Welt eine überraschende Nachricht gezogen: Für den kanadischen Journalisten ist es nämlich an sich nichts Schlechtes, dass die Landbevölkerung in aller Welt in die Städte drängt und hier nach einem besseren Leben strebt. Aus den Beispielen, in denen Saunders Menschen porträtiert, die vor dem Elend und dem Hunger in die großen Städte geflüchtet sind, lässt sich nämlich auch Hoffnung ziehen. Sowohl der Sturm auf die Bastille, als auch die Volkserhebung gegen den Schah oder die Aufstände in den arabischen Ländern der jüngsten Zeit sei von der in die Städte gezogenen Landbevölkerung ausgegangen, legt der Autor dar. Dafür den Blick zu öffnen ist in den Augen des Rezensenten das größte "Verdienst" dieses Buches, auch wenn er die wiederkehrenden Schilderungen des Slumlebens etwas monoton findet und Saunders in seinem Optimismus mitunter einen allzu rosa gefärbte Sichtweise an den Tag legt, wie Uchatius einwendet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.12.2011

Beeindruckt zeigt sich Rezensent Michael Mönniger von Doug Saunders' großer Reportage "Arrival City". Er liest das Buch, für das der kanadische Journalist Slums von 30 Mega-Citys besucht hat, als "ermutigendes Gegenstück" zu Mike Davis' apokalyptischem Buch "Planet der Slums". Die Dynamik, die Saunders in den Slums, Shanty-towns und Favelas am Rand der Mega-Städte erkennt, scheint ihm durchaus hoffnungsvoll. Diese Siedlungen verstehe der Autor als Ankunftsstädte und Übergangsstationen. Saunders' Ausführungen basieren laut Mönniger nicht nur auf Stadtforschungen und Entwicklungsexpertisen, sondern auch auf auf zahllosen Interviews, Lebensbeschreibungen, sozialpolitischen Analysen und Kommentaren. Allerdings findet er die Weltreise in die Slums hin und wieder auch ein wenig redundant, vor allem weil Saunders die Lebensverhältnisse in den Slums für seinen Geschmack journalistisch zu breit schildert. Zudem hätte er sich eine etwas tiefergehende begriffliche Durchdringung der Entwicklungsdynamik gewünscht. Nichtsdestoweniger hat er "Arrival City" mit Gewinn gelesen.

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