Hermann "Fritz" Gräbe war ab 1941 als Bauingenieur in der besetzten Ukraine für den Eisenbahnbau zuständig und musste mit ansehen, wie ein Ghetto liquidiert wurde. Schockiert nutzt er seine Baufirma von nun an, um Juden zu retten. Nürnberg 1946: Gräbe sagt als deutscher Augenzeuge des Holocaust vor dem Kriegsverbrechertribunal aus. Als er später in die Heimatstadt zurückkehrt, wird er gemieden, entlassen, geächtet. Er sieht in Deutschland keine Zukunft mehr für sich und emigriert. Doch damit nicht genug. Bei den SS-Verbrecherprozessen der sechziger Jahre wird Gräbe als Belastungszeuge vorgeladen. Ein erstes Mal kommt er aus den USA nach Deutschland zurück. Er wird des Meineids bezichtigt und angeklagt. Eine beispiellose Hetzkampagne der Medien ruiniert seinen Ruf endgültig.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 14.11.2002
In die Geschichtsbücher ging Hermann Friedrich Gräbe wegen seiner Aussagen während der Nürnberger Prozesse und während des Auschwitz-Prozesses von 1963 ein, berichtet Elke Schubert. Lange Zeit unerwähnt und von vielen ignoriert blieb hingegen, dass es dem deutschen Geschäftsmann "durch geschicktes Taktieren" und mit großer Eigengefährdung gelungen war, einen Teil seiner jüdischen Angestellten in der Ukraine vor dem Holocaust zu retten. Die Rezensentin zeigt sich daher hell erfreut, dass "endlich" das in den USA bereits 1985 erschienene Buch von Douglas Huneke über diesen Retter im Deutschen vorliegt. "Eindrucksvoll" dokumentiere der Autor das Verhalten und die Motive Gräbes und setze sich im Anhang kritisch damit auseinander, wie es Gräbe, der 1948 in die USA ausgewandert war, wo er 1986 verstarb, in der Nachkriegszeit ergangen sei. Das Buch empfiehlt die Rezensentin aus zwei Gründen: Einmal zeige es beispielhaft, wie jemand auch unter Drohungen Recht und Unrecht zu unterscheiden wisse, zum anderen führe es eine Gesellschaft vor, die unfähig sei, zu begangenem Unrecht zu stehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.11.2002
Während Hermann Gräbe, der 350 Juden vor dem sicheren Tod durch die Nazis rettete, von jüdischen Organisationen als "Gerechter unter den Völkern" geehrt wurde, wurde er in Deutschland lange als Landesverräter, Hochstapler und Lügner diffamiert, bevor ihm 1994 endlich auch hier Gerechtigkeit widerfuhr, notiert Rezensent Oliver Schmolke in seiner Besprechung von Douglas K. Hunekes "In Deutschland unerwünscht". Huneke konnte kurz vor Gräbes Tod noch ausgiebige Gespräche mit ihm führen. Auf dieser Quelle basiert seine nun auf deutsch vorliegende Biografie des "Judenretters" Gräbe. Zwar ist die Biografie nach Schmolkes Ansicht nicht an allen Stellen historiographisch genau genug und bisweilen stilistisch unbeholfen. Dennoch werfe sie Licht auf ein Leben, das zu erzählen verdienstvoll sei.
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