Dzevad Karahasan

Der Trost des Nachthimmels

Roman in drei Teilen
Cover: Der Trost des Nachthimmels
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783518425312
Gebunden, 724 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

Aus dem Bosnischen von Katharina Wolf-Griesshaber. In Isfahan, der Hauptstadt des Seldschuken-Reiches, stirbt unerwartet ein hochangesehener Mann. Der Sohn des Verstorbenen fordert Aufklärung. An den Ermittlungen nimmt auch der Hofastronom Omar Chayyam teil. Er kommt zu dem Schluss, dass der Mann vergiftet wurde. Dabei hatte er versucht, den Trauernden davon zu überzeugen, dass es besser wäre, sich an den Vater zu erinnern, wie er war, anstatt dieses Bild durch Ermittlungen in Zweifel zu ziehen. Was fangen sie nun mit dieser Wahrheit an? Kurz darauf verdüstert sich der Horizont. Hofintrigen und soziale Spannungen bedrohen das Reich von innen, während ihm Kreuzritter und Mongolen von außen gefährlich werden. Doch der Sultan lehnt die Gründung eines Nachrichtendienstes zur Gefahrenbekämpfung ab. Ein verhängnisvoller Fehler. Als der berühmte Mathematiker und Dichter Jahrzehnte später Rechenschaft über sein Leben ablegt, ist das Reich zerfallen. Eine Terrororganisation, angeführt von einem früheren Weggefährten Omar Chayyams, versetzt die Gegend in Angst.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.04.2016

Was für eine Frechheit, gänzlich auf Dramatik, Tempo und stilistische Extravaganzen zu verzichten, ruft Rezensent Stefan Weidner nach der Lektüre dieses Buches. Und doch muss das erstmal gar nichts Schlechtes bedeuten, fährt der Kritiker fort, der hier auf 724 Seiten vom Aufstieg und Fall des Seldschuken-Reichs liest und dem Buch, das nicht zuletzt die Entstehung des islamischen Terrorismus thematisiert, eine gewisse Aktualität attestiert.  Die Geschichte, in deren Mittelpunkt der persische Dichter Omar Chayyam steht, mag an Mittelalterromane wie den "Medicus", "Der Name der Rose" oder Amin Maaloufs "Samarkand" erinnern und doch verspielt der Autor das Potential, meint Weidner. Das Gerede ist ihm einfach zu viel, die Handlung im Gegenzug zu wenig und die Figuren bleiben zu blass: Allen voran Chayyam, dessen poetische Seite hier kaum beachtet wird, klagt der Kritiker, der auch Spiel mit der Erzählperspektive zu konstruiert findet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.04.2016

Mit einer langen, hymnischen Besprechung würdigt Andreas Breitenstein Dzevad Karahasans siebenhundert Seiten umfassenden historisch-philosophischen Ideen-Roman, der ihm nicht nur als "Opus magnum" des bosnischen Autors, sondern gar als "Jahrzehnte-Ereignis" erscheint. Mit "magistralem epischen Atem" erzählt Karahasan hier nicht einfach nur von dem persischen Mathematiker, Astronom, Philosophen und Dichter Omar Chayyam, sondern verbindet virtuos die Geschichte von der Blüte und dem Untergang des Seldschukenreichs mit der Gegenwart Bosniens, schwärmt der Kritiker. Es bedarf einiger Konzentration, den zahlreichen Handlungssträngen, dem gewaltigen Figuren-Ensemble und den historischen Hintergründen dieses mit kulturhistorischen Realien des Orients angereicherten Buches zu folgen, warnt Breitenstein vor, dafür werde der Leser aber auch reichlich entlohnt: Wer diese grandios übersetzte, "mächtige Arche Noah poetischer und philosophischer Welterkenntnis" liest, erlebt ein sprachliches Meisterwerk, das nicht nur Politisches mit Persönlichem, Monumentales mit Intimem und Episches mit Dialogischem kongenial verknüpft, sondern auch eine Dimension erreicht, die sonst nur bei Ivo Andric, Leo Tolstoi, Fjodor Dostojewski oder Thomas Mann zu finden ist, schließt der überwältigte Kritiker.

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